Einkaufsfrust

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Florecilla
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Einkaufsfrust

Beitrag von Florecilla »

Das Thema ist ein wenig schwierig, aber ich möchte dennoch versuchen, meine Gefühle in Worte zu fassen und hoffe, dass ihr mich nicht falsch versteht:

Mit wachsendem Unbehagen beobachte ich, dass vor den Supermärkten die üblichen Bettler (überwiegend Aussteiger und Gitanos) durch eine neue "Zielgruppe" abgelöst werden. Vor den Geschäften trifft man nun immer häufiger auf junge Menschen, denen es offensichtlich mehr als peinlich ist, dort zu stehen und um Almosen für sich und ihre Kinder zu bitten.

Mir als Kunde der Geschäfte ist es mittlerweile unangenehm, dass es mir gut geht und ich mir einen "unbeschwerten" Einkauf leisten kann während draußen bei den Einkaufswagen für eine kleine Familie mein Einkaufseuro schon die nächsten beiden Barras sichert. Die Menschen tun mir einfach leid und die Ausweglosigkeit der Situation bedrückt mich, so dass mein Euro meist den Besitzer wechselt.

Lebensmitteleinkäufe sind für mich schon immer ein notwendiges Übel gewesen, aber nun mag ich sie noch weniger, denn wer wird schon gerne so unmittelbar mit der Not anderer Menschen konfrontiert. Und wie mögen Urlauber auf die Situation reagieren? Könnte dies vielleicht sogar weitere negative Auswirkungen auf den Tourismus haben?
Hasta luego,
Florecilla (Margit)

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Albertine
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Re: Einkaufsfrust

Beitrag von Albertine »

Florecilla hat geschrieben:
.... Könnte dies vielleicht sogar weitere negative Auswirkungen auf den Tourismus haben? ...

Das glaube ich nicht. Wir werden in jedem Land mit Armut "konfrontiert" - auch in Deutschland.
Aus meiner Sicht wird die Armut immer größer werden.

Wie verhält man sich den "Bettlern" gegenüber? Ich habe oft ein zwiespältiges Gefühl.
Wie soll ich ihnen begegnen? Ist ihr Betteln berechtigt? Ich habe für mich eine Lösung gefunden:

Ich gebe kein Bares, sondern kaufe im Supermarkt z. B. 1 Fl. Wasser und etwas zu essen (Brot, Obst ...)
Bei meiner letzten Übergabe in Spanien war ich erstaunt über ein dankbares Lächeln bzw. nette Worte.
Ich habe mit einer jungen Frau auch schon ein kurzes Gespräch geführt. Ich habe sie gefragt, wie es ihr
bzw. der Familie geht. Sie gab bereitwillig Auskunft und freute sich über meine Ansprache.

Entsetzt bin ich über die Tatsache, dass in Calp die Suppenküche geschlossen wurde. Es gab fadenscheinige Infos
zu diesem Thema zu lesen, die für micht nicht nachvollziehbar sind.

Ich würde mir wünschen, dass auf den vielen Märkten in Spanien eine kompetente Organisation auch für
notleidende Menschen in unserer Umgebung ehrenamtlich sammeln würde.

In unserem Supermarkt REAL in meinem Wohnort in D (NRW) steht ein großer Drahtkorb, in den man Lebensmittel
einlegen kann. Die sind bestimmt für eine Organisation, die sich TAFEL nennt. Die TAFEL hat sich zur Aufgabe gemacht,
den notleidenden Menschen zu helfen, ihren Hunger zu stillen, ihnen eine warme Mahlzeit und eine Spur menschlicher
Wärme anzubieten. - Dieses Hilfsangebot ist mit großem Engagement der ehrenamtlichen Helfer verbunden.

Saludos von Albertine

sol
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Re: Einkaufsfrust

Beitrag von sol »

--die Tafel gibt es in unserer Stadt nicht- dafür viel für die Armen unter uns
ich gebe z.B. gut erhaltene Gegenstände- Kleidung, Möbel, usw. an die "Haltestelle"

http://www.caritas-brandenburg.de/79163.html

Hier gibt es auch eine " Kleiderkammer", sowie Haushaltsgegenstände für die Mittellosen.

und vieles Soziales :
http://www.fuerstenwalde-spree.de/stadt ... index.html
Gruss Wolfgang

Cozumel
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Re: Einkaufsfrust

Beitrag von Cozumel »

Albertine hat geschrieben: Entsetzt bin ich über die Tatsache, dass in Calp die Suppenküche geschlossen wurde. Es gab fadenscheinige Infos
zu diesem Thema zu lesen, die für micht nicht nachvollziehbar sind.
Albertine, mich hat das Thema auch beschäftigt, deshalb hab ich mich mal ein wenig umgehört.
Es gibt nämlich immer zwei Seiten.

Es war nicht von vorn herein geplant die Suppenküche (Tafel) zu schliessen. aber der private Initator hatte trotz mehrfacher Aufforderung weder eine Genehmigung noch hielt er sich an die Verordnungen zur Verabreichung von Speisen. Kühlmöglichkeiten z.B. Es soll noch mehr im argen gewesen sein.
Deshalb hat sich das Rathaus in Calpe wohl entschlossen die Einrichtung zu schliessen. Es werden aber an Bedürftige Lebensmittel ausgegeben.
Black Lives Matter

calpe06
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Re: Einkaufsfrust

Beitrag von calpe06 »

Ja das Rote Kreuz (Cruz Roja) verteilt hier in Calpe auch Lebensmittel an Beduerftige.
Also es ist nicht so, dass nichts gemacht wird.
Wir geben auch immer unser Speilzeug dort ab und wenn der Kleiderschrank aussortiert wird,
dann gehen auch die Kleider dort hin.
Liebe Gruesse
Steffi und Familie

premwalia
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Re: Einkaufsfrust

Beitrag von premwalia »

@florecilla, Albertine, Sol,
auch mich beschäftigt es immer, wenn ich beim einkaufen bin, da gehts mir wie florecilla, einkaufen war und ist ein notwendiges Übel und die Tatsache das im Grunde an jedem Supermarkt jemand steht, ist mehr als bedenklich. Die Frage ob es berechtigt ist oder nicht, kann man im Prinzip nicht beantworten. Wenn es mir möglich ist, spreche ich meistens mit den Leuten und übergebe ihnen dann den Einkaufswagen, denn sie zurückbringen können, dann gehört der Euro ihnen. Einmal ist es mir schon passiert, das ein Bettler mit Hund mir erzählt hat, er bekommt ständig Futter für den Hund, jedoch kaum was für sich selbst :-? . Ich hab ihm dann direkt 5 grosse Hundedosen abgekauft.
Es ist traurig das es das in unserer Wohlstandgesellschaft geben muss. Als ich jung war hab ich in München in einem Restaurant gekellnert, schon damals war es mir ein wichtiges Anliegen die unzähligen Mengen an Essensüberschuss (frische Ware, die nicht verkauft wurde) an Obdachlose zu geben, es wurde verboten vom Gesundheitsamt aus gesundheitlichen Gründen. hääääää...... fragt man sich da, was soll das denn..?? Zum Glück hat sich diesbezüglich einiges geändert. Die Tafel in Deutschland ist eine sehr gute Einrichtung. Hier in Spanien gibt es im Masymas auch diese Einkaufswägen in die man gekaufte Lebensmittel legen kann für die Bedürftigen.
Allerdings denke ich das ist nur eine kleine Lösung des Riesenproblem, zumal wir alle wissen, das niemand auf dieser Welt hungern müsste, wenn man die Lebensmittel nur gerecht verteilen würde.

Wir haben z. B. eine Familie aus Kolumbien (6 Personen, darunter 2 Kleinkinder) die wir regelmäßig mit Lebensmittel unterstützen und zwar gehen wir gemeinsam mit Ihnen einkaufen. Oder man lädt mal ein Handy auf usw. Aber alles ist eben immer sehr vorübergehend. Das anprangern des ganzen Systems (was ja auch von vielen Seiten bereits geschieht) verläuft leider immer noch im Sande.
Trotzdem muss man jeden Ansatz in dieser Richtung unterstützen:
http://www.wissensmanufaktur.net/interviews

In jedem Fall denk ich ist es wichtig, das wir hin- und nicht wegschauen, vielleicht wird dem einen oder anderen dadurch auch mehr bewusst in welch privilegierter Situation er sich befindet.
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betty-calpino
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Re: Einkaufsfrust

Beitrag von betty-calpino »

calpe06 hat geschrieben:Ja das Rote Kreuz (Cruz Roja) verteilt hier in Calpe auch Lebensmittel an Beduerftige.
Also es ist nicht so, dass nichts gemacht wird.
Wir geben auch immer unser Speilzeug dort ab und wenn der Kleiderschrank aussortiert wird,
dann gehen auch die Kleider dort hin.

Hallo Calpe06

Unsere Sachen gehen auch ans Cruz Roja .

Fande aber grade die Idee von David mit ADIS Suppenküche eine der besten Ideen.
Es konnte dort geduscht, Wäsche Gewaschen werden , das essen war Gekocht und warm, man konnte dort sogar was Mitnehmen

Ich finde es zwar gut das es jetzt so eine Art Suppenmarkt gibt wo man Lebensmittel bekommt, oder auch von Caritas oder Cruz Rojo. Aber was sollen die Menschen und Familien machen die nicht Kochen können ? Rohe Nudel essen oder Harten Rohen Reis. da sieht man das der Bürgermeister bei seiner Schliss Aktion nicht nachgedacht hat :idea:

Wo können jetzt diese Personen Duschen oder ihre Wäsche Machen ?
In Calpe gibt es sehr viele Familie ohne Strom,Gas , Wasser da ist es mit Normaler Sachspende nicht getan :-?

Habe damals David und seiner Frau geholfen die Suppenküche Einzurichten und Spender zu finden ( Hotels)
Unser Bürgermeister soll lieber sein Wort halten, und was gleichwertiges Eröffnen !!

Artikel CBN 9. März 2012 mit den versprechen das unser Bürgermeister selber eine Suppenküche in 3-4 Monaten eröffnen möchte, mit den gleichen Angebot wie David hatte
Nur man hört nichts mehr :-o

Saludo
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Re: Einkaufsfrust

Beitrag von premwalia »

@betty-calpino, kann ich dir nur zustimmen, also ihr calpinos unbedingt drann bleiben, das der bürgermeister sein versprechen einlöst, 3-4 monate sind sowieso viel zu lange, wo sollen die Menschen denn hin??
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Re: Einkaufsfrust

Beitrag von betty-calpino »

Hallo

Ja, das ist Schwierig. Man geht selber Einkaufen, meistens ohne auf den Preis zu achten. Und auf der anderen Seite die Armut vor der Tür
Wir Selber geben auch kein Geld, sondern was zu Trinken und Essen. Da es auch Banden gibt die es nur auf Geld Abgesehen haben.
Und das finde ich eine Frechheit, dass man dann noch die Gutmütigkeit Ausnutzt

Was mich auch oft Wundert, stand vor ...... Monaten in der CBN das es Leute gibt die Fremde auf ALDI und LIDL parkplätze Ansprechen um Geld Betteln, aber nicht Paar Groschen sondern Richtig Geld. Und mit der Bitte dies Abzuarbeiten.
Das man so was Mitmacht verstehe ich nicht . Es soll sogar bis in die 200€ gegangen sein :-o

Weiter weiß ich das grade jetzt zur verano es eine Anweisung gibt von unser Bürgermeister, dass dafür gesorgt werden soll das unsere Bettler vor den Supermärkten Verschwinden müssen

Massymas darf bald der eine Obdachlose nicht auf das Grundstück betteln. Er muss dann auf Neutralen Boden. genauso bei Consum. Und das ist frech. den die Armut ist da, ob calpe ein **** Ort ist oder nicht

Saludo
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Re: Einkaufsfrust

Beitrag von calpe06 »

Hallo Betty! Hola a todos!

Das Problem an der Sache ist eben auch, dass wir als Normalbuerger oder gar Auslaender, da nicht allzuviel ausrichten
koennen, wenn die einheimischen nicht mitziehen. Also ich kann auch nicht viel geben, aber ab und an.
Bei uns ist es auch so, viele sehen bloss oh diese Deutschen leben hier in Spanien, also die haben Geld.
Bei uns ist eben auch so, kommt mir manchmal so vor, aber nicht von allen Spaniern.
Bei uns ist es ja so, dass wir eben wirklich nicht hier sind, damit wir ein besseres leben haben,
sondern einfach wegen unserer Kinder die beide Asthma, Neurodermitis und Pseudo-Krupp haben,
was hier in den letzten 5 Jahren nicht mehr aufgetreten ist. Wir muessen auch jeden Monat gucken
wie wir klar kommen. Da bei uns nur einer arbeitet und ich hier eben voll und ganz fuer die
Kinder da bin. Aber es ist fuer uns hier im moment eben immer noch besser als in Deutschland,
weil die Kinder keine Medikamente brauchen. Und wir sind natuerlich hier auch Krankenversichert (privat).
Vor zwei Wochen hatten wir ein Sommerfest und es war super. Wir brauchten alle nichts bezahlen,
alles wurde von den Leuten vom Vorstand vom Park bezahlt. Es gab gegrilltes und viel kaltes Obst
und Wein und Bier und Cola und Fanta. Es war ein super Fest und in der Nacht durften dann alle
noch mal ins Wasser. Der Pool war beleuchtet. Ich fand es so super auch die Freundlichkeit
von den anderen Spaniern hier im Park, obwohl wir erst im Februar hier her gezogen.
Ja mussten umziehen, weil der andere Bungalow mit 870 Euro im Monat zu teuer war.
Hier sind wir im Schnitt mit Strom bei 650 Euro und vorallem naeher an der Schule.
Am naechsten morgen nach dem Fest, bekamen wir die Quittung, weil es uns hier so gut geht ;-).
Um 6 Uhr ging der Alarm von einem Auto draussen. Wir hoerten es leider nicht, aber eine Nachbarin.
Sie schauten raus und sahen es war an unserem Auto und dachten sich nichts weiter dabei, weil bei uns
oefters mal Fliegen im Auto sind. Nebenbei hatten sie beobachtet, dass ein kleines rotes Auto mit einem
jungen Fahrer hier gedreht hat. Als sie dann um 13 Uhr zum Pool gingen habe sie gesehen, was passiert
war. Unsere Stossstange war total zerkratzt und an der Ecke eingebrochen und hing nur so halb am Auto.
Ja natuerlich sagten sie uns bescheid. Das war ein Schock fuer mich, weil der Fahrer ja einfach abgehauen war.
Na super dachte ich mir gestern so ein schoenes Fest und dann dass. Das Ganze kostete uns 730 Euro ohne
Farbe - mit Farbe waeren es 910 Euro gewesen. Mich stoert nicht, dass es passiert ist, ich finde es nur nicht schoen,
dass man so einen Schaden anrichtet und einfach abhaut. Wir sind doch keine Unmenschen, man kann mit uns
reden. Wenn er vielleicht noch Alkohol vom Vorabend im Blut hatte, haette er bei uns noch nicht mal Angst haben
brauchen, denn wir haetten noch nicht mal die Polizei gerufen, wenn man sich so haette einigen koennen.
Naja bleiben wir eben dieses Jahr hier und fahren nicht nach Deutschland. Musste das nur mal meiner Mutter
beibringen die letzte Woche ihren 60. Geburtstag hatte. Das sollte nur mal zeigen, dass auch bei anderen genug
Probleme sind, denn auch wir hatten uns das Gelds muehsam uebers Jahr beiseite gelegt.
Darum koennen wir zum Beispiel auch nur ab und an was abgeben, aber eben beim Spielzeug und den Anziehsachen,
kann ich das guten gewissen machen, weil ich weiss wo es hingeht.
Aber wegen der Suppenkueche sollte der Buergermeister wirklich mal was machen.
Zwecks Kuehlung oder Warmhalten, haette der Buergermeister ja auch bei der Suppenkueche was spenden koennen,
anstatt sie zu schliessen. Weil die Obdachlosen sind doch nicht einfach weg nur weil er die Kueche zumacht.
Bild
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So sah unser Auto nach dem Vorfall aus.

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Und so 730 Euro spaeter.
Liebe Gruesse
Steffi und Familie

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