Grundlagen der Schulpolitik - Blickpunkt Spanien

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Oliva B.
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Grundlagen der Schulpolitik - Blickpunkt Spanien

Beitrag von Oliva B. » So 30. Jul 2017, 18:16

Vielleicht interessiert es die Eltern schulpflichtiger Kinder unter uns?

In dem brandneuen, am 3.7.2017 veröffentlichten Buch Grundlagen der Schulpolitik. Band 46, Untertitel: Die Bildungssysteme Europas, herausgegeben von Hans Döbert / Wolfgang Hörner / Botho von Kopp / Lutz R. Reuter, erschienen im Schneider Verlag Hohengehren GmbH,
kann man auf Seite 753 über Spanien folgende Eckpunkte nachlesen (ergänzt um einige neuere Daten, den Rest lasse ich ungefiltert stehen):
  • Der Anteil der Schulabbrecher: 24,9 %,
    Schüler ohne Abschluss: einer von vier Heranwachsenden
    "Sitzenbleiber": hoher Anteil (was immer das heißen mag)
    Jugendarbeitslosigkeit: 57 % (Mitte 2017 lag sie allerdings "nur noch" bei über 48 Prozent)
    Ninis: 23,7 % (woher haben die Autoren diese Zahl? 2012 waren es lt. Eurostat 23,6 %, am 25.4.2017 lag die Zahl bei 19,5 %)
    PISA-Studie 2009: Spanien 481 Punkte
    (2015: Deutschland = Naturwissenschaften: 509, Lesekompetenz: 509, Mathematik: 506 - Mittelwert 509 und für Deutschland ein Rückschlag
    Spanien = Naturwissenschaften: 493, Lesekompetenz: 496, Mathematik: 486 - Mittelwert 493 - für Spanien ein Fortschritt!)
    Spanische Integrationspolitik von Schülern mit Migrationshintergrund im EU-Vergleich: wenig erfolgreich
    Bildungsinvestitionen: über EU- und OECD-Durchschnitt!!!!
    Spanische Hochschulsystem: Viele Probleme bleiben ungelöst.

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Re: Grundlagen der Schulpolitik - Blickpunkt Spanien

Beitrag von balina » Fr 12. Jan 2018, 02:10

Gerade bei Nuhr im 1. gesehen:

Seine Tochter und andere Austauschschüler aus D wurde 2 Klassenstufen höher eingestuft als sie als Austauschschülerin in einem Land war, das auch an der Pisastudie teilgenommen und besser abgeschnitten hat als Deutschland.

Seine satirische Vermutung: Die deutschen Lehrer füllen die Fragebögen der Pisastudie zu genau aus.
_____________
lieben Gruß
balina

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Re: Grundlagen der Schulpolitik - Blickpunkt Spanien

Beitrag von Miesepeter » Fr 12. Jan 2018, 11:33

Stastiken sind dazu da, etwas oder genau dessen Gegenteil nachweisen zu wollen, weshalb ich nicht viel davon halte. Allerdings beobachte ich genau, was um mich herum passiert und verfüge ausserdem über langjährige einschl. Erfahrungen mit meinen Kindern und seit 5 Jahren auch mit meinen 4 Enkeln. Das span. Schul- bzw. Ausbildungssytem ist mit dem deutschen ganz und gar nicht vergleichbar. Hier in alle Einzelheiten des "warum und wieso" zu gehen wäre endlos. Bemerkenswert ist der hohe Anteil (und die hohe Nachfrage) an privaten und halbprivaten Einrichtungen, denn NUR in denen wird wirklich brauchbares Wissen vermittelt. Das kostet allerdings etwas weshalb nur etwa 30% der Familien sich das leisten können. Universitätsstudium ist richtig teuer. Auch hier gibt es öffentliche (ca. 700 - 3.000 /semester) und private (10.000 - 20.000 /semster) Einrichtungen. Für besonders Begabte gibt es wenige oder keine Fördermittel. Durch die erschwinglichen Studiengebühren der öffentlichen Unis ist die Zahl der Absolventen sehr hoch und die Aussicht auf einen entsprechenden Arbeitspplatz dementsprechend niedrig. Wenn es um Fremdsprachen geht, schneiden die Spanier im Verhältnis zu anderen Europäern gar nicht gut ab, was aber m.E. aber auf ihre ausgeprägte Einbildung und ihr "auf-den-eigenen-Bauchnabel-schauen" zurückzuführen ist. (Spanisch wird auf der halben Welt und Teilen der USA gesprochen - bekomme ich immer wieder zu hören). Ins Ausland gehen? Warum - wo ist das Wetter besser und wo bekomme ich einen Rotwein und eine Serranoschinken-Tapa für 2,-? Sonst kämen ja auch keine 80 Mio. Touristen ins Land (2017). In dem Lied "Viva España" (gesungen u.a. von dem mit einer Deutschen verheirateten Manolo Escobar) heisst es ja auch zum Schloss "España es lo mejor" - frei übersetzt "Spanien-was besseres gibts nicht" - is ja auch wahr.....
Gott weiss alles, oder doch die Nachbarn fragen, die wissen nämllich mehr.
Setze dich ans Ufer des Wadi (oder der Wupper, Spree u.a.) und du wirst die Leiche deines Feindes vorbeischwimmen sehen (Arabisches Sprichwort).

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Re: Grundlagen der Schulpolitik - Blickpunkt Spanien

Beitrag von maxheadroom » Fr 12. Jan 2018, 13:04


Hola todos,
nur mal schnell meine 5 cent, mehr bringt auch nicht mehr >:) >:)
was mir Sorgen macht im Hinblick auf die Zukunft , es gibt Europa weit immer mehr "Bildungsferne" Schichten, sowie immer mehr Jugendliche die dadurch keiner oder nur untergeordneten Arbeiten nachgehen können wenn überhaupt, das bedeutet auf lange Sich nichts gutes.
Aber wie Miesepeter schon richtig zitiert hat :mrgreen: :mrgreen: mit einem copa tinto und sol laesst sich das noch ertragen >:) >:) >:) >:)
Saludos y que el poder esté contigo
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Re: Grundlagen der Schulpolitik - Blickpunkt Spanien

Beitrag von nurgis » Fr 12. Jan 2018, 23:55

Ist es nicht schon immer so: Kinder reicher Eltern haben die besseren Chancen ! Genies von Normalbürgern werden nur die, welche man rechtzeitig erkennt und die dann Förderer finden. Können (Wissen) alleine reicht leider nicht. Geld und Beziehung regiert unser Leben.
Jedes liebe Wort macht`s Leben länger. (Hg)

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Re: Grundlagen der Schulpolitik - Blickpunkt Spanien

Beitrag von Miesepeter » Sa 13. Jan 2018, 07:26

Zitat nurgis:"..Geld und Beziehungen..". In Spanien sind die Beziehungen noch ausschlaggebender als Geld. Eine Folge davon ist u.a. die weit verbreitete Korruption. Jeder schuldet jedem irgendeinen Gefallen in einem engen Geflecht von Politik, Wirtschaft und Kirche, was von der Gesellschaft allgemein als notwendiges aber auch einträgliches Übel akzeptiert wird. Kritiker und Weltverbresserer stehen auf einsamem Posten und warten oft nur auf die Gelegenheit, selbst an die Pfründe heranzukommen, wie die Sozialisten 1982.
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danke
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Re: Grundlagen der Schulpolitik - Blickpunkt Spanien

Beitrag von danke » Mo 11. Feb 2019, 23:46

das darf man nicht so kurz fassen, was an lebensfreude und wissen verloren geht ist ein erbrechen - und wird sich rechen - und nicht mit einem rechen :)

danke
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Re: Grundlagen der Schulpolitik - Blickpunkt Spanien

Beitrag von danke » Mo 11. Feb 2019, 23:50

ich hab beides schon gesehen - alle beide überdurchschnitlich - in deutschlland findet sowas seine bestimmung - in anderen ländern ist es eher entschiedend ob mann oder frau - so siehts aus

danke
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Re: Grundlagen der Schulpolitik - Blickpunkt Spanien

Beitrag von danke » Sa 16. Feb 2019, 20:31

zu einer einigermassen funktionieren demokratie oder relativ freien gesellschaft braucht man menschen die eigene ideen haben - für mich ist es da auch nicht so wichtig ob jemand behauptet die erde ist eine scheibe :) wenn er sich einen kopf gemacht hat und die argumente relativ plausibel sind - nur die wenigsten haben ja noch interresse für irgendwas - außer sinnlosem konsum :) - bildung muß und wird sich dramatisch ändern - ich hab auch meine bauchschmerzen mit bewertungssystemen sei es pisa oder iq test - sicherlich muß man grob wissen wo man steht aber jedem einzelnen wird sowas nicht grecht - ich finde es auch lächerlich zu versuchen mit elektronischen equitment eine verbesserung zu erreichen - ein bildungssystem brauch nur eines gute lehrer und wissbegierige schüler - habe fertig

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Re: Grundlagen der Schulpolitik - Blickpunkt Spanien

Beitrag von chris » Sa 23. Feb 2019, 23:47

nurgis hat geschrieben:
Fr 12. Jan 2018, 23:55
Ist es nicht schon immer so: Kinder reicher Eltern haben die besseren Chancen !
Das mag in einigen Bereichen stimmen. So richtig super Segelfliegen oder Golf spielen lernt man nur in einem teuren Club, zu dem nur ein gewisser Kreis Zugang hat.

Wenn es hingehen um die schulische Ausbildung geht, so war schon immer meine These, dass diejenigen Kinder die besten Chancen haben, deren Eltern sich um ihre Kinder kümmern.

Prinzipiell steht das Schulsystem sowohl in Deutschland als auch in Spanien dem Schüler unvoreingenommen gegenüber. Wer aber die klare Grenze zieht, dass die Schule sich um die Bildung der Kleinen zu kümmern hat, und daheim dann die Playstation übernimmt, der soll hinterher nicht jammern und sich als Opfer eines ungerechten Systems darstellen.

In der Schule unserer Kinder zum Beispiel werden jedes Jahr die Faschingskostüme zuhause aus Mülltüten gebastelt, die man inklusive des restlichen Materials von der Schule gestellt bekommt. So gibt es keine Unterschiede zwischen Arm und Reich. Trotzdem gibt es Unterschiede zwischen den Kostümen, die mit viel Liebe gebastelt wurden und denjenigen, bei denen schnell irgendwas zusammengerotzt wurde.

Ebenso das Libro Viajero, bei denen der Unterschied zwischen den Einträgen verschiedener Schüler genauso sichtbar wird wie bei den Kostümen. Das ist keine Frage des Einkommens, sondern der Einstellung. Einen Stift hat jeder, aber Bock drauf ihn auch zu benutzen eben nicht zwangsläufig.

Das ließe sich noch endlos weiterführen. Wo die Eltern als Vorbild versagen, da sind die Kinder zumeist chancenlos.

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