Original-Rezept: Agua de Valencia

typisch Gewürze, Kräuter, Spezialitäten, Meeresfrüchte, Wurstwaren, Käse, Schinken, Weine, Liköre usw.
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Oliva B.
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Original-Rezept: Agua de Valencia

Beitrag von Oliva B. » Mi 12. Jun 2019, 18:00

Ein an Beliebtheit nicht zu schlagendes Getränk ist "Agua de Valencia" - ein erfrischender :?: Sommercocktail, der in unserer Rezeptsammlung noch fehlt. Doch der Name ist trügerisch, denn gerade "agua" (Wasser) ist nicht darin enthalten... :-o

Agua de Valencia ("Wasser" :lol: aus Valencia) kann man überall an der Costa Blanca bestellen, doch nicht alle Gastronomen halten sich an das Originalrezept. Deshalb ist es ratsam, sich das Wässerchen selbst anzurühren, vor allen Dingen in Hinblick auf einen "dicken Kopf" am Tag danach...Ich persönlich bevorzuge die Variante mit weniger Wodka und Gin als im Rezept angegeben, denn die authentische Mischung hat es in sich.... :-s

Agua de Valencia ist ein Cocktail und besteht aus Cava, Orangensaft, Wodka und Gin. Das Getränk wird serviert in jarras (Krügen) und normalerweise aus Champagnergläsern mit der Bezeichnung "copa de Champán tipo seno de María Antonieta" getrunken, deren Form an die Brust von Marie Antoinette erinnern soll, die von ihrem Mann sehr bewundert wurde (nun habe ich leider keine Ahnung, ob sich die Äußerung Ludwig XVI., der ab 1774 König von Frankreich und Navarra war, auf seine Frau selbst oder die Form ihrer Brüste bezog :lol: ). Auf jeden Fall wurden beide 1793 von den Revolutionären zum Tode verurteilt und durch die Guillotine hingerichtet.... :|
"Bei uns" (d. h. in Deutschland) werden diese Champagnergläser nicht mit Brüsten in Verbindung gebracht, schon gar nicht mit denen von Marie Antoinette, sondern sie heißen völlig fantasielos Schaumweinglas. Das Wort muss man sich im Munde zergehen lassen. :-P .
K640_Agua de Valencia DSC_1540.JPG
Fakt ist jedoch, dass der Cocktail 1959 von Constante Gil in der Cervecería Madrid in Valencia zum ersten Mal ausgeschenkt wurde.
Anscheinend war in den späten 50er Jahren, direkt neben dem Palacio del Marques de Dos Aguas, die Cervecería Madrid eine beliebte Zwischenstation für viele Reisende. Die Schriftstellerin, Journalistin und Historikerin María Ángeles Arazo schreibt über die Entstehung des Getränkes in ihrem Buch "Valencia noche" (erschienen 1978), dass die Cervecería Madrid damals von einer Gruppe baskischer Reisender besucht wurde, die nach "Agua de Bilbao" fragten, und meinten damit wohl den besten Sekt des Hauses. Die Touristen waren es jedoch nach einiger Zeit leid, immer wieder nach demselben Getränk zu fragen, deshalb forderten sie den Wirt, Constante Gil, auf, ihnen etwas Neues anzubieten. Er schlug ihnen deshalb vor, es mit "Agua de Valencia" zu probieren, einer eigenen Kreation. Damit eroberte er ihre Herzen und auch bei ihren nächsten Besuchen bestellten sie dieses Getränk.
Ein Jahrzehnt lang war dieser Spezialcocktail nur einer kleinen Insider-Gruppe bekannt, erst in den 1970er Jahren wurde der Geheimtipp auch der breiten Öffentlichkeit bekannt. Seitdem ist es ein beliebten Getränk, doch Vorsicht! Durch die Kälte ist das Getränk sehr süffig! :mrgreen:

Die Ingredienzien bestehen aus Cava oder Champagner, Orangensaft (vorzugsweise frisch gepresst), Wodka und Gin - und wem es gefällt, zerstoßenem Eis.

Man nehme
  • 25 cl*) Orangensaft
    25 cl Cava
    25 cl Wodka
    2,5 cl Gin
    50 g oder gut 4 Teelöffel Zucker
    Der Alkoholgehalt beträgt ca. 15 Prozent

    Anmerkung *): ein Zentiliter (Abk. cl) entsprechen 10 ml. Tipp: Ein typisches Schnapsglas hat ein Volumen von 2 cl.
Warnung:
Man sollte nicht versuchen, mit Cointreau oder Curaçao den natürlichen Orangengeschmack zu pimpen, sondern vielmehr auf eine gute Qualität der Spirituosen (Wodka und Gin) achten.
Wenn ihr das Getränk "trocken" bevorzugt, lasst den Zucker weg und nehmt zum Aufgießen lieber trockenen Cava oder Brut.


Tipp:

Man sollte Agua de Valencia vor dem Genuss im Kühlschrank fast bis zum Gefrieren abkühlen, damit sich die Aromen des Cocktails später im Glas (selbstverständlich nur das Modell "el pecho de la reina" :lol: ) gut entfalten können. Vor dem Servieren sollte der Drink mit einem Löffel gerührt werden, also bitte das leckere Gesöff nicht nach den Vorlieben eines James Bond servieren: "Geschüttelt, nicht gerührt!" :mrgreen:

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Re: Original-Rezept: Agua de Valencia

Beitrag von Miesepeter » Mi 12. Jun 2019, 18:59

Das "Agua de Vlencia" ist gerade 60 Jahre alt geworden, als mehr Orangen geerntet als als abgesetzt werden konnten. Auch Alkohol war damals spottbillig, 1l Gin (Markenware) war für ca. 1,50 DM zu haben, auch Sekt gab es für ca. 1,- DM die Flasche - es wurde wenig exportiert, denn der Außenhandel war streng kontingentiert (heute nicht mehr vorstellbar). Dann kamen die ersten Touristen und zahlten bereitwillig Horrorpreise für z.B. Sangria 50 Ptas./Liter - ein Arbeiter verdiente kaum 600,-. Nicht absetzbaren Orangen wurden u.a. zu Saft verarbeitet, und auch lange bevor es Fanta und Mirinda gab zu Erfrischungsgetränken wie VIDA und TriNaranjus mit sehr hohem Fruchtsaftanteil oder ganz ohne Zusätze. Zu Hause wurden "Limonada" angesetzt - es gab keine Kühlschränke - die ersten waren aus mit Zink ummantelten Holz und funktionierten mit Eisblöcken, d.h. ohne el. Strom, und auch die konnte sich nicht jeder leisten. Da musste man sich eben etwas einfallen lassen, um den Getränken etwas Frische zu verleihen wozu sich Sekt prima eignet. Ach so, Wodka gab es damalas ebensowenig wie deutsches Bier (außer in den Diplomatenläden)- erinnere mich an das erste deutsche Bier 1964 (Radeberger) in Madrid. Budweiser und Miller gab es billig auf dem damaligen US-Militärflugh. Torrejon bei Madrid - bis 2004.
Gott weiss alles, oder mal die Nachbarn fragen, die wissen nämllich noch mehr.
Dies ist ein freies Land, und wem das nicht passt und nicht frei sein will, werden wir ggf. dazu zwingen.

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Re: Original-Rezept: Agua de Valencia

Beitrag von schmiker » Mi 12. Jun 2019, 19:17

Für mich hört sich das Rezept echt lecker an und ich werde es definitiv einmal ausprobieren. Vielen Dank Olivia !
Zu den von Miesepeter angesprochenen Preisen, fällt auch mir eine Geschichte ein. Sie ist zwar noch nicht 60 Jahre alt, aber ich muss heute immer noch darüber lächeln.
Anfang der 90er Jahre hatten mein Mann und ich zusammen mit den Kindern ein Ferienhaus in Italien gemietet. Da ich mich mit den italienischen Preisen nicht so auskannte, bestand ich darauf, Lebensmittel mit nach Italien zu nehmen. Unter anderem nahmen wir auch für gemütliche Abende einige Flaschen deutschen Wein mit. In Italien musste ich dann feststellen, dass der Sekt fort wesentlich preiswerter war, als in Deutschland der Wein. Zur Strafe musste ich dann den deutschen Wein trinken und mein Mann tat sich an italienischem Sekt gütlich.
Gruß Kerstin

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Re: Original-Rezept: Agua de Valencia

Beitrag von Oliva B. » Mi 12. Jun 2019, 19:32

Miesepeter hat geschrieben:
Mi 12. Jun 2019, 18:59
Das "Agua de Vlencia" ist gerade 60 Jahre alt geworden, als mehr Orangen geerntet als als abgesetzt werden konnten. Auch Alkohol war damals spottbillig, 1l Gin (Markenware) war für ca. 1,50 DM zu haben, auch Sekt gab es für ca. 1,- DM die Flasche - es wurde wenig exportiert, denn der Außenhandel war streng kontingentiert (heute nicht mehr vorstellbar). Dann kamen die ersten Touristen und zahlten bereitwillig Horrorpreise für z.B. Sangria 50 Ptas./Liter - ein Arbeiter verdiente kaum 600,-. Nicht absetzbaren Orangen wurden u.a. zu Saft verarbeitet, und auch lange bevor es Fanta und Mirinda gab zu Erfrischungsgetränken wie VIDA und TriNaranjus mit sehr hohem Fruchtsaftanteil oder ganz ohne Zusätze. Zu Hause wurden "Limonada" angesetzt - es gab keine Kühlschränke - die ersten waren aus mit Zink ummantelten Holz und funktionierten mit Eisblöcken, d.h. ohne el. Strom, und auch die konnte sich nicht jeder leisten. Da musste man sich eben etwas einfallen lassen, um den Getränken etwas Frische zu verleihen wozu sich Sekt prima eignet. Ach so, Wodka gab es damalas ebensowenig wie deutsches Bier (außer in den Diplomatenläden)- erinnere mich an das erste deutsche Bier 1964 (Radeberger) in Madrid. Budweiser und Miller gab es billig auf dem damaligen US-Militärflugh. Torrejon bei Madrid - bis 2004.
Es ist immer sehr interessant, wenn du von deinen vielen Jahren (sind es nicht fast 60 ? :-? ) in Spanien berichtest. Da hast du eindeutig die Nase vorn. :mrgreen:
Auch wenn es Wodka seinerzeit für normale Spanier nicht gab, das"Café" Cervecería Madrid hatte "das Wässerchen" offenbar im Angebot.... - ein wenig mehr Hintergrundwissen zu diesem Thema.

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Re: Original-Rezept: Agua de Valencia

Beitrag von girasol » Do 13. Jun 2019, 09:30

Agua de Valencia habe ich vor zwei Jahren kennengelernt, meine Schwester hat das Rezept von ihrem Valencia-Aufenthalt mitgebracht. Ich war gleich davon angetan und sie durfte mir zu meiner Geburtstagsfeier einen großen "Topf" davon mitbringen. ;-)

Gruß
girasol
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Re: Original-Rezept: Agua de Valencia

Beitrag von Florecilla » Do 13. Jun 2019, 10:18

Im Sommer eines meiner bevorzugten Getränke - aber wirklich mit Vorsicht zu genießen, da sehr süffig.
Hasta luego,
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Re: Original-Rezept: Agua de Valencia

Beitrag von Oliva B. » Do 13. Jun 2019, 11:42

Florecilla hat geschrieben:
Do 13. Jun 2019, 10:18
Im Sommer eines meiner bevorzugten Getränke - aber wirklich mit Vorsicht zu genießen, da sehr süffig.
Deshalb nehme ich auch deutlich weniger Wodka und Gin, dafür aber mehr Cava als im Rezept angegeben. Und es schmeckt trotzdem! :)

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Re: Original-Rezept: Agua de Valencia

Beitrag von vitalista » Do 13. Jun 2019, 14:05

Ich hatte das Originalrezept vor einiger Zeit mal meinen Gästen angeboten, nur den Zucker, den hatte ich weggelassen. Es hat allen gut geschmeckt und die Stimmung war hinterher auch bombig :-D
Wer morgens zerknittert aufsteht, hat tagsüber noch Entfaltungsmöglichkeiten!

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