Baustrom - Bauwasser

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Curandero
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Baustrom - Bauwasser

Beitrag von Curandero »

Hallo @all,

ich da mal wieder eine Frage ausgebuddelt.

Vor einigen Jahren haben wir eine Ferienwohnung für vier Wochen in Denia gemietet. Die Eigentümerin erzählte uns, dass das Gebäude neu sei und sie hätte noch für zwei Jahre (an den genauen Zeitraum erinnere ich mich nicht mehr) Baustrom und Bauwasser und das diese beiden Dinge dann besonders günstig seien. Den Zusammenhang haben wir damals leider nicht verstanden. Mag mir das mal jemand erklären?

LG Curandero
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Atze
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Re: Baustrom - Bauwasser

Beitrag von Atze »

Soweit ich weiß, wird Baustrom und Bauwasser von der bauausführenden Firma angemeldet, die dafür für bestimmte Technik-Standards gerade stehen muss.- Das Gebäude ist ja noch nicht abgenommen. Die Rechnungslegung erfolgt zumindest bei Strom auf den Namen des Unternehmers, abgebucht werden kann auch vom Bauherrn.
Für den "richtigen" Strom braucht man dann die Fin de Obra. Wenn man die nicht vorlegen kann bevor der Baustromvertrag ausgelaufen ist, sitzt man in der Sch..x.

Warum der Baustrom billiger war (viel war es nicht) kann ich nicht sagen. Vielleicht entfallen Bereitstellungskosten usw.
LG Atze

Wenn dereinst die letzte Bohrinsel abgebaut und die letzte Tankstelle geschlossen ist,
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baufred
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Re: Baustrom - Bauwasser

Beitrag von baufred »

... dazu 'ne kleine Story von vor 25 Jahren:

Anfang der 90er d. letzten Jhdts. zahlten wir nach Bezug auch noch für ca. 2 Jahre Strom und Wasser an den Bauträger ...

... zwar war die Parzellierung der Urbanisation schon abgeschlossen, aber die Escritura und die Bewohnbarkeitkeitsbescheinigung waren wegen der noch laufenden "Aktivitäten" noch nicht "angestossen" bzw. gerade in Vorbereitung - in dieser Zeit hatten ein Großteil der Eigentümer aller Nationalitäten sich in der "Asociación de Vecinos" als Eigentümervertretung zusammengeschlossen, die auch in dieser Zeit ein Gerichtsverfahren gegen den Bauträger wg. Schwarzbauten in einer Grünzone angestossen hatten, was dann auch zum Abbruch von über 20 Rohbauten führten ... in dieser Zeit kursierte auch das Gerücht von einer möglichen Pleite des Bauträgers, was natürlich die von den Käufern betriebenen Notaraktivitäten einschl. Bewohnbarkeitsbescheinigung "beschleunigte" ...

... letztlich ging die Urb. als Ortsteil ohne Selbstverwaltung in die Zuständigkeit des Ayuntamientos über, mit dem Effekt, dass jeder Eigentümer die entsprechenden Verträge mit Strom- u. Wasserversorger selbst in die Hand nehmen musste ... hatte bei uns aber in einem Urlaub die Auswirkung, dass kurz vor Ankunft uns der Strom abgestellt wurde und wir Weihnachten bei Kerzenschein verbringen mussten und die Küche war der Holzkohlengrill im Garten - aber 4 Tage waren schnell vorbei und die Freischaltung durch Iberdrola erfolgte innerhalb von 2 .. 3 Stunden nach Vertragsunterzeichnung in Torrevieja ...

... einige Jahre später gings mit Wasser ähnlich, als das Ayuntamiento noch die Einziehung der Abwassergebühren dem Wasserversorger "aufdrückte", was letztlich 'ne Vertragsänderung nach sich zog, deren Ankündigungsfrist zur Vertragsänderung wir wg. Abwesenheit versäumten - heisst, die Wasseruhr war kurz vorher ausgebaut worden und wir standen auf dem Trockenen ... auch diese Geschichte ging in einigen Stunden nach Unterschrift der Vertragsänderung über die Bühne ...

... ja, so kann man schon seine Abenteuer in Spanien erleben ...
Saludos -- baufred --

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Atze
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Re: Baustrom - Bauwasser

Beitrag von Atze »

Baufred hat natürlich recht. Fin de Obra reicht nicht, es muss die Bewohnbarkeitsbescheinigung sein. Ich hatte dieses Wort von meiner intrakraniellen Festplatte gelöscht, da es uns nichts als Ärger gebracht hat.

Es soll viele bewohnte Häuser geben, die haben so einen Wisch (noch) nicht und die Bewohner hoffen das Beste.

Hab ich es hier gehörte oder woanders: Da baute einer auf seinem großen Grundstück einige Häuser und verkaufte sie. Wegen des lästigen Papierkrams liefen Strom und Wasser über ihn, er rechnete mit den Käufern direkt ab.
Nach seinem Tod verkauften die Erben sein Haus, der neue Besitzer kappte die Leitungen. Ob die anderen Häuser eine Bewohnbarkeitsbescheinigung hatten, weiß ich nicht.
LG Atze

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chris
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Re: Baustrom - Bauwasser

Beitrag von chris »

Es gitb kaum noch etwas hinzuzufügen, außer dass wenigstens für den Strom (Wasser glaube ich nicht), auch noch ein Zertifikat des Installateurs nötig ist, in dem bescheingt wird, dass die Installation ab Übergabepunkt korrekt ausgeführt ist, der sogenannten Boletín.

Ohne Bewohnbarkeitsbescheinigung und Boletín gibt es beim Stromversorger nichts.

Da diese Papiere für Wasser und Strom zu Baubeginn natürlich nicht zur Verfügung stehen, und auch die definitive Übergabestelle noch nicht zwangsläufig besteht, gibt es für einen befristeten Zeitraum Luz und Agua de Obra, denn beides wird beim Hausbau gebraucht.

Da die Versorgungsbetriebe normalerweise nicht wissen, wann eine Baustelle beendet ist, läuft die provisorische Versorgung zunächst weiter, bis die Frist abläuft oder aber der Eigentümer sich um einen regulären Anschluss kümmert.


Wer seine Hütte stolz mit dem Hinweis vermietet, dass er noch Luz de Obra habe, der ist recht sonderbar drauf.... Denn was soll das bedeuten? Ich zahle auf Kosten der Allgemeinheit weniger Nebenkosten und habe mein Haus noch gar nicht angemeldet, aber ich vermiete es trotzdem schon.... Ist das ein positives Feature?

Curandero
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Re: Baustrom - Bauwasser

Beitrag von Curandero »

chris hat geschrieben:...
Da die Versorgungsbetriebe normalerweise nicht wissen, wann eine Baustelle beendet ist, läuft die provisorische Versorgung zunächst weiter, bis die Frist abläuft oder aber der Eigentümer sich um einen regulären Anschluss kümmert.


Wer seine Hütte stolz mit dem Hinweis vermietet, dass er noch Luz de Obra habe, der ist recht sonderbar drauf.... Denn was soll das bedeuten? Ich zahle auf Kosten der Allgemeinheit weniger Nebenkosten und habe mein Haus noch gar nicht angemeldet, aber ich vermiete es trotzdem schon.... Ist das ein positives Feature?
Ahja, dass was chris geschrieben hatte suchte ich. Mir war der Zusammenhang, warum es überhaupt zu diesem Bauwasser bzw. -strom kommt nicht bekannt. Jetzt ist mir auch klar, warum man über Jahre hinaus wenig für Strom und Wasser bezahlen muss.

@all: Danke für Eure ausführlichen Erklärungen.
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