Der Weg ist das Ziel

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Frambuesa
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Der Weg ist das Ziel

Beitrag von Frambuesa »

Fängt man es einmal an, lässt es einen nicht mehr los, das Fernwandern. Oder aber man sagt „Einmal und nicht wieder“. Ich gehöre da eindeutig zur ersteren Gruppe. Mit einer Dolomitenüberquerung fing es an (von Bozen nach Venedig). Da ging es von Hütte zu Hütte - bei Wind und Wetter. In den 80ern war es dann einige Jahre ein Fernwanderweg durch Frankreich (von Burgund durch die Auvergne bis ins Limousin). Das war dann schon eine andere „Nummer“, denn da kam zu der „normalen“ Rucksackfüllung auch noch Kochgeschirr nebst Gaskartuschen, Zelt und Daunenschlafsäcke, ein wenig Proviant und natürlich Wasser. Kurt, mein damaliger Wanderpartner, musste natürlich noch seine Kameraausrüstung mitnehmen, die auch ohne 500er Tele und Stativ noch schwer genug war. So waren die Rucksäcke so +/- 20 kg schwer und jedes Wiederaufsetzen nach einer Pause war ein Kraftakt.
Meist ging es durch sehr dünn besiedeltes, landschaftlich schönes Gebiet. Die Menschen begegneten uns mit freundlicher Neugier und konnten nicht verstehen, dass wir freiwillig zu Fuß durch die Berge marschieren. Damals war das Wandern keine sehr populäre Sportart und der Weg entsprechend schlecht gekennzeichnet. Ohne Kompass wären wir wohl aufgeschmissen gewesen. Das kann man sich heute im Zeitalter von GPS wohl kaum noch vorstellen. Natürlich hatten wir einen Wanderführer und Karten mit und hatten vage Tagesetappen, die jedoch nicht immer eingehalten werden konnten.
Machte ja nix, wir hatten ja unser „Haus“ im Rucksack. Viele schöne Begegnungen sind mir in Erinnerung geblieben und selbst die schwierigen und unangenehmen Situationen bekommen in späteren Betrachtungen einen gewissen Reiz. Erleben möchte ich so manche Situation heute allerdings nicht mehr so gerne.
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Dazu gehören stundenlange Regenmärsche, schlafen im Zelt im Wald bei Gewitter, mit klammen Socken nasse Wanderschuhe anziehen und ein nasses Zelt zusammenlegen und im Rucksack verstauen. Sich bei 3 Grad aus Schlafsack und Zelt zu schälen, um sich im Allier zu waschen, war auch nicht ganz ohne :-o
Das Ziel, den Atlantik zu erreichen, hatten wir zwar immer vor Augen, doch bei allem, was wir sahen und erlebten und wem wir alles so begegneten, fanden wir recht schnell heraus: Der Weg ist das Ziel.

Was es für mich mit dem Jacobsweg auf sich hat, davon in einigen Tagen
Saludos Frambuesa
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Re: Der Weg ist das Ziel

Beitrag von maxheadroom »


Hola todos y Frambuesa,
Dein Leitspruch gefaellt mir, so sehe ich es auch , wenn ich auch mit Fernwanderungen zu Fuss keine Erfahrung habe :mrgreen: ich laufe lieber im kleinen ueberschaubaren Rahmen und die groessere Distanz auf den vier Pneus >:) wobei ich es durchaus nachvollziehen kann das so eine groessere Route auf den biologischen Fortbewegungmitteln auch seinen Reiz hat :-D Bin schon gespannt auf weitere Berichte.
Saludos y buen camino
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Re: Der Weg ist das Ziel

Beitrag von Citronella »

Hallo frambuesa,

schön dass du uns an deinen Erlebnissen teilnehmen lässt >:d< . In jüngeren Jahren bin ich auch sehr gerne gewandert, wobei ich auch eher Tageswanderungen bevorzugte. Leider ist mein GG nicht mehr gut zu Fuß, sodass selbst Spaziergänge eine Herausforderung sind (für mich ;;) er ist einfach zu langsam). Ich freue mich auf die Fortsetzungen!

Saludos
Citronella

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vitalista
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Re: Der Weg ist das Ziel

Beitrag von vitalista »

Ich bewundere dich, frambuesa!
Ich gehörte ganz sicher in die zweite Kategorie, habe jedoch selbst in der Jugend nichtmal Ähnliches ausprobiert.
Obwohl ich mir sicher bin, diese Art die Welt zu erkunden ist beeindruckend und befriedigend, wenn man den inneren Schweinehund wieder besiegt hat,
ich könnte/wollte mich nicht dazu aufraffen.
Trotzdem (oder deswegen?) finde ich es immer interessant zu lesen, wie sich jemand dazu aufrafft, all diese Strapazen auf sich zu nehmen.
Ich freue mich schon auf die nächsten Etappen.
Wer morgens zerknittert aufsteht, hat tagsüber noch Entfaltungsmöglichkeiten!

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Frambuesa
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Re: Der Weg ist das Ziel

Beitrag von Frambuesa »

maxheadroom hat geschrieben:
Di 30. Okt 2018, 12:58
. . . ich laufe lieber im kleinen ueberschaubaren Rahmen und die groessere Distanz auf den vier Pneus >:)
Das geht bei uns mittlerweile auch nicht mehr anders. Der Leitgedanke bleibt dabei jedoch der gleiche
maxheadroom hat geschrieben:
Di 30. Okt 2018, 12:58
. . . wobei ich es durchaus nachvollziehen kann das so eine groessere Route auf den biologischen Fortbewegungmitteln auch seinen Reiz hat
Ja, das ist eine ganz andere Dimension, physisch wie psychisch
Citronella hat geschrieben:
Di 30. Okt 2018, 13:15
In jüngeren Jahren bin ich auch sehr gerne gewandert, wobei ich auch eher Tageswanderungen bevorzugte. Leider ist mein GG nicht mehr gut zu Fuß, sodass selbst Spaziergänge eine Herausforderung sind (für mich ;;) er ist einfach zu langsam).
Ist bei uns ähnlich, längere Touren (auch Städtebesichtigungen) muss ich weitestgehend mittlerweile alleine machen. Habe mich schon dran gewöhnt und in D gibt es für mich mittlerweile nichts Schöneres mehr, als alleine durch Wald und Flur zu wandern.
vitalista hat geschrieben:
Di 30. Okt 2018, 16:38
Obwohl ich mir sicher bin, diese Art die Welt zu erkunden ist beeindruckend und befriedigend, wenn man den inneren Schweinehund wieder besiegt hat,
ich könnte/wollte mich nicht dazu aufraffen.
Ohhhhh, vitalista, das mit dem inneren Schweinehund ist da so eine Sache. Der meinige ist schon ein arg ausgewachsenes Viech, dem ich auch nicht immer gewachsen bin. Aber jedesmal, wenn ich ihn bezwungen habe, ging es mir richtig gut hinterher
Saludos Frambuesa
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vitalista
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Re: Der Weg ist das Ziel

Beitrag von vitalista »

Frambuesa hat geschrieben:
Di 30. Okt 2018, 18:07

... das mit dem inneren Schweinehund ist da so eine Sache. Der meinige ist schon ein arg ausgewachsenes Viech, dem ich auch nicht immer gewachsen bin. Aber jedesmal, wenn ich ihn bezwungen habe, ging es mir richtig gut hinterher
Und genau DAS ist es, was ich bewundere!
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Re: Der Weg ist das Ziel

Beitrag von Frambuesa »

Bevor ich zum Jacobsweg und letztendlich auf die heutigen Reisen komme, will ich euch aber gern noch ein paar Episoden aus der Auvergne erzählen.

Wie auf dem Fotos ersichtlich laufe ich einen Streckenabschnitt in Wanderschuhen, die damals als das Nonplusultra für Wanderungen verkauft wurden, die auch mal durch Wasser führten. Nachdem ich ja mehrmals das Vergnügen hatte, tagelang in nassen, schweren Bergschuhen aus Leder laufen zu müssen, war ich von diesen Kunststoffschalenschuhen schnell zu überzeugen. Aber - oh Schreck, selbst nach 6monatigen Einlaufens bei täglich bis zu 25 km gab es auf der Tour in Frankreich noch böse Blasen. Diese Art Wanderschuhe hat sich auf dem Markt nicht durchgesetzt, aber ich hab‘ jede Menge Schmerzen und „Kohle“ dafür bezahlt.

Die Sache mit dem Käse
Die Langstreckentour durch Frankreich hatten wir uns als Käseliebhaber ganz bewußt ausgesucht und es gab keine glücklicheren Momente als nach anstrengender Tour Abends vor dem Zelt mit Brot, Wein und einem dicken Stück „Bleu d’Auvergne“ den Tag ausklingen zu lassen. Und wenn es dann noch Nächte waren, in denen Sternschnuppen wie Schneeflocken vom Himmel fielen, dann war der Abend perfekt.
Am Pierre-sur-Haute war die himmlische Ruhe jedoch schnell dahin, wenn die französischen Jagdbomber (Mirage) recht niedrig über uns hinwegdonnerten. :roll: Nun ja, der Wanderweg führte recht nah an der Funkstation der französischen Streitkräfte vorbei.
Käse, ja für einen leckeren Käse, da liefen wir meilenweit :) und den im Wanderführer angepriesene ganz besonders gute Chevre in der Nähe von Dompierre sur Besbre mussten wir natürlich probieren. Problemlos fanden wir das Gartenlokal auf einer kleinen Anhöhe und als die beiden Portionen Chevre und ein leckerer Roter auf dem Tisch standen, waren sämtliche Strapazen vergessen und herzhaft langten wir zu. Der Wanderführer hatte nicht zu viel versprochen, der Chevre war in der Tat sehr, sehr lecker. Aber was ist das? Hab ich jetzt schon was an den Augen? Oder vernebelt mir die Sonne das Hirn? Der Käse bewegte sich und bei genauem Hinsehen, sahen wir es beide: Kleine weiße Maden steckten ihre Köpfchen aus dem Käse. Kurt, der außer Bonjour ja kein französisch konnte, überließ mir die Reklamation. #-o
Ich zeigte dem Patron unsere Käse und fragte ihn, was das sei. „Oui, oui, c‘est normal“ war dessen lapidare Antwort. Das konnten wir uns nicht erklären, dass Maden im Käse normal sein sollten. Da hatte ich schon wie verrückt französisch gelernt und konnte diese kleine Situation nicht aufklären? Also nochmals den Jefe an den Tisch gebeten und nachgefragt und dann gab er uns folgende Erklärung ab: „Ja, das sei völlig normal. Er liebe die Fliegen und die Fliegen liebten ihn und würden deshalb ihre Eier in den Käse legen“ Dabei zeigte er auf die vielen kleinen Käfige mit Chevre, die ringsherum in den Bäumen hingen. Aber die Maden seien nur unter der Rinde, versicherte er uns. Kurt aß zwar aus Höflichkeit das Innere seines Käse auf, ich suchte jedoch in den Tiefen meines Rucksackes nach der Flasche „Notfallmedizin“ (hochprozentiger Schnaps), um alles abzutöten, was vielleicht schon . . . :((
Ich durfte gar nicht daran denken, doch Kurt grinste nur und meinte: „Andere Länder, andere Sitten!“
Später, viele Jahre später sah ich in einer Reportage über Sardinien und seiner „lebenden“ Käsespezialität „Casu marzu“. Seine Herstellung und Vertrieb wurde - sehr zum Leidwesen der Sarden - 2005 durch EU-Lebensmittelrecht verboten.

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Re: Der Weg ist das Ziel

Beitrag von Josefine »

;-)
Ich bin zwar nicht der Wanderer-Typ, aber ich mag Deine Geschichten und finde sie äußerst interessant. :smile: Genauso ist es mit dem Jakobsweg. Das Buch von Hape Kerkeling habe ich mit Vergnügen gelesen, aber habe selbst nur das Ziel, also Santiago de Compostela als Tagestouristin besichtigt. ;-)
Wer lebt, sieht viel. Wer reist, sieht mehr.
Gruß Josefine (Jofina)

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Re: Der Weg ist das Ziel

Beitrag von Florecilla »

Schön, dass du von deinen Erlebnissen erzählst ... auch wenn es nicht immer ein Zuckerschlecken war. Bei mir würde es nicht am Weg scheitern, sondern am Zelt. Camping habe ich einmal in meinem Leben als 18jährige auf der Île de Noirmoutier praktiziert ... mit dem Ergebnis 'nie wieder'. Da bin ich offensichtlich zu sehr Luxusgeschöpf und bewundere dein Durchhaltevermögen selbst bei strapaziösen und unbequemen Nächten.
Hasta luego,
Florecilla (Margit)

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Re: Der Weg ist das Ziel

Beitrag von Frambuesa »

Josefine hat geschrieben:
Mi 31. Okt 2018, 18:39
Das Buch von Hape Kerkeling habe ich mit Vergnügen gelesen, aber habe selbst nur das Ziel, also Santiago de Compostela als Tagestouristin besichtigt. ;-)
Ja, Josefine, Hapes Buch hat mir auch sehr großes Vergnügen bereitet. Allerdings war der Camino francés zu dem Zeitpunkt für mich schon zu überlaufen. Aber zu meinem Kapitel Jacobsweg komme ich ja noch
Florecilla hat geschrieben:
Do 1. Nov 2018, 17:05
Bei mir würde es nicht am Weg scheitern, sondern am Zelt. Camping habe ich einmal in meinem Leben als 18jährige auf der Île de Noirmoutier praktiziert ... mit dem Ergebnis 'nie wieder'. Da bin ich offensichtlich zu sehr Luxusgeschöpf und bewundere dein Durchhaltevermögen selbst bei strapaziösen und unbequemen Nächten
Am Zelt würde es bei mir mittlerweile auch scheitern.
Da brauche ich heutzutage auch etwas mehr Luxus. ;;)
Allein der Gedanke an die Wurzeln, die sich in den Wäldern durch die Isomatte in meinen Rücken drückten . . . :((
Saludos Frambuesa
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Marc Thylmann

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