Kein Geld für Beerdigungen

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Re: Kein Geld für Beerdigungen

Beitrag von Cozumel » Mo 25. Sep 2017, 16:10

Wie genau sieht denn so eine Sozialbestattung aus?

Wird da in ein grosses Loch der Verstorbene in einem Leichensack zu anderen Toten gelegt?
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Wenn es morgens um sechs Uhr an meiner Tür läutet und ich kann sicher sein, dass es der Milchmann ist, dann weiß ich, dass ich in einer Demokratie lebe.

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Re: Kein Geld für Beerdigungen

Beitrag von kuba » Mo 25. Sep 2017, 16:30

ich empfinde den Ausdruck "Massengrab" als mehr als unpassend, in Deutschland gibt es nirgendwo Massengräber! Eine Bestattung, welche das Sozialamt hier übernimmt ist eine ganz normale Bestattung ohne jegliche Zusatzleistungen allerdings und es wird ganz normal auf dem Friedhof auch bestattet.
Falls es überhaupt keine Angehörigen mehr gibt ist es eine sogenannte anonyme Bestattung, meist mit Einäscherung und dann in einem anonymen Urnengrab, aber niemals ein "Massengrab".
Ich bin etwas entsetzt überhaupt diesen Ausdruck hier zu lesen.

Nachtrag: Angehörige haben hier bei uns eine sogenannte Bestattungspflicht, d.h. dass im Sozialfall das Sozialamt erst einmal in Vorleistung geht, dann aber geschaut wird, inwieweit Angehörige in der Lage sind einen Teil der Bestattungskosten zurückzuerstatten. Wenn Angehörige selbst auch nur Grundsicherung erhalten, dann verzichtet das Sozialamt auf Erstattung.
liebe grüße
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Re: Kein Geld für Beerdigungen

Beitrag von Oliva B. » Mo 25. Sep 2017, 16:45

kuba hat geschrieben:ich empfinde den Ausdruck "Massengrab" als mehr als unpassend, in Deutschland gibt es nirgendwo Massengräber.
@ kuba

"Fosa común", so steht es in dem Artikel, den ich wiedergegeben habe, ich hätte auch den "geschmeidigeren" Ausdruck "Gemeinschafts-" oder "Armengrab" verwenden können, sorry, und es war auch von einer Beerdigung in Spanien die Rede!

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Re: Kein Geld für Beerdigungen

Beitrag von kuba » Mo 25. Sep 2017, 16:48

ok, dann habe ich das wohl etwas falsch interpretiert.
liebe grüße
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Re: Kein Geld für Beerdigungen

Beitrag von Kipperlenny » Mi 27. Sep 2017, 20:54

Massengrab wie im Krieg oder bei Seuchen ist es wohl nicht - "Auf der grünen Wiese" (wie jemand schon schrieb) - die natürlich auf einem Friedhof ist, passt eher.

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Re: Kein Geld für Beerdigungen

Beitrag von villa » Do 28. Sep 2017, 14:13

Bei uns nennen wir so was ein Gemeinschaftsgrab. Eine Wiese auf dem Freidhof, wenn man möchte kann man den Namen des Verstorbenen auf einen Stein schreiben lassen.
Interessant finde ich dass ich in der Schweiz für eine einfache Kremierung, Urne und Bestattung in Gemeinschaftsgrab keinen Cent bezahlen musste. Nur die Beschriftung war sehr teuer. Aber die Beerdigung als solches hat gar nichts gekostet.
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Re: Kein Geld für Beerdigungen

Beitrag von Oliva B. » Do 28. Sep 2017, 21:01

Wegen eurer Fragen habe ich ein wenig recherchiert:

54 % aller Valencianer haben keine Sterbegeldversicherung (die, abhängig von Alter und Geschlecht) ca. 12 Euro/Monat kostet. Hat der Verstorbene nicht für seine Beerdigung vorgesorgt, müssen die Nachkommen dafür aufkommen. Sofern es keine Kinder gibt, wird die nächste Verwandtschaft (Geschwister, Nichten und Neffen) zur Kasse gebeten. Sogar Kinder, dessen Väter sich aus dem Staub gemacht haben, müssen für deren Beerdigung aufkommen, selbst wenn sie keine Beziehung zu dem Verstorbenen hatten (Art. 1.894 des Código Civil).

Die durchschnittlichen Beerdigungskosten in der Comunidad Valenciana betragen um die 3.500 Euro. In diesem Preis enthalten ist die Überführung, die Totenwache, die Bestattung, der Sarg oder die Urne sowie Blumenarrangements und Nachruf. Die Verwandten können sich der Verpflichtung nur entziehen, wenn sie eine Insolvenzerklärung abgeben.

Die Gemeindeverwaltungen übernehmen zunächst die Kosten der Beerdigung (keine Verbrennung, denn diese ist teurer), forschen aber nach zahlungsfähigen Verwandten, an die sie die Kosten weitergeben können.
Auf Mallorca wurden z. B. bis Mitte der 1990er Jahre die sterblichen Überreste armer oder unbekannter Menschen in Gemeinschaftsgräbern beerdigt.
In der Regel handelte es sich bei den Verstobenen um ältere Menschen, Obdachlose oder Ausländer ohne Ersparnisse.

Heutzutage übernehmen die Gemeinden auch die Kosten für Nischen (die übliche Bestattungsform in Spanien), die auf Friedhöfen für Armenbegräbnisse reserviert sind, die meisten befinden sich in der obersten Reihe. Die wird deshalb bevorzugt, da durch die Sonneneinstrahlung die Leichen schneller verwesen. Die Nischen werden auch nicht mit einem teuren Grabstein verschlossen, sondern zugemauert und einfach verputzt. Nach zwei bis fünf Jahren werden die sterblichen Überreste bestenfalls in einem Gemeinschaftsgrab oder einem Beinhaus bestattet. Diese Art der Bestattung kostet die Rathäuser im Schnitt 700 Euro. Wird der Verstorbene in einem Armengrab beerdigt, geben die Angehörigen alle Ansprüche (z. B. auf Umbettung) ab.
Friedhof.JPG
:idea: Sollten clevere Nachkommen allerdings auf die Idee kommen, den Körper des Verstorbenen der Wissenschaft zur Verfügung zu stellen, um die Beerdigungskosten zu sparen, werden sie schnell eines Besseren belehrt: Die Spende kann nur zu Lebzeiten gemacht werden!

Quellen:
Levante.emv
heraldo
Diario de Mallorca
Flores para funerales
Kipperlenny hat geschrieben:Massengrab wie im Krieg oder bei Seuchen ist es wohl nicht - "Auf der grünen Wiese" (wie jemand schon schrieb) - die natürlich auf einem Friedhof ist, passt eher.
villa hat geschrieben:Bei uns nennen wir so was ein Gemeinschaftsgrab. Eine Wiese auf dem Friedhof, wenn man möchte kann man den Namen des Verstorbenen auf einen Stein schreiben lassen.
Interessant finde ich dass ich in der Schweiz für eine einfache Kremierung, Urne und Bestattung in Gemeinschaftsgrab keinen Cent bezahlen musste. Nur die Beschriftung war sehr teuer. Aber die Beerdigung als solches hat gar nichts gekostet.
Nichts gemein mit dem beschriebenen Armenbegräbnis haben die "grünen Beerdigungen" (entierros 'verdes', wie die Wald- oder Baumbestattungen hier genannt werden). Sie erfreuen sich von Jahr zu Jahr steigender Beliebtheit. 2007 waren schon 25 Prozent der Urnenbestattungen "grün", 20% der Verstorbenen wurde eingeäschert. Im selben Jahr kamen in Barcelona 600 Urnen bei Baggerarbeiten im Hafen zum Vorschein, in den Madrider Bergen kommt es stellenweise vor, dass man über Urnen stolpert. Deshalb wird inzwischen Wert darauf gelegt, dass Urnen aus biologisch abbaubaren Materialien hergestellt werden. Quelle: El Mundo

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Re: Kein Geld für Beerdigungen

Beitrag von nurgis » Do 28. Sep 2017, 23:01

Das ist doch durchaus schon möglich. Z.B. das Krematorium in Javea bietet für Seebestattung nur Urnen an, die sich auflösen. Auf Salzbasis. Sie lösen sich dann im Wasser auf.Mein Mann schwimmt deshalb schon 2 Jahre frei im Meer und keine Urne häuft sich an.

Ich finde die Art auch viel besser, wie den Totenkult mit bombastischen Gräbern, die tausende verschlingen und den Toten nichts mehr bringen, sondern die Nachkommen damit belasten. Die Blumen und Aufmerksamkeiten sollte man dem geliebten Menschen lieber zu Lebzeiten gönnen und nicht erst nach dem Tod um den Mitmenschen zu zeigen ich habe den Menschen geliebt. Dann hat er nichts mehr davon !
Meine Erben sollen mich lieber schwimmen lassen.Ich liebe Blumen, aber dann ist es zu spät.Ich glaube nicht an das Leben danach.
LG Nurgis
Jedes liebe Wort macht`s Leben länger. (Hg)

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