Allerheiligen/Todos los Santos/Tots Sants

Feiertage (außer Ostern und Weihnachten), regionale Fiestas
Range
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Re: Allerheiligen/Todos los Santos/Tots Sants

Beitrag von Range » Fr 2. Nov 2012, 00:18

Hallo zusammen

Was ich noch nicht ganz verstehen kann, warum feiert man in E auf Friedhöfen, Friehof bedeute für mich der Ort der Stille und ein Platz der ewigen Ruh.

Bitte entschuldigt meine dämliche Frage, habe gerade innert wenigen Tagen 2 liebe Menschen verloren.

Gruss und LG Range (Heinz)

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pichichi
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Re: Allerheiligen/Todos los Santos/Tots Sants

Beitrag von pichichi » Fr 2. Nov 2012, 08:02

Die Frage ist absolut nicht dämlich, deinen Schmerz kann wohl jeder nachvollziehen, Tatsache ist aber, dass verschiedene Kulturen auch verschiedene Bestattungs- und Trauerrituale entwickelt haben.
Während bei uns alles schwarzgewandet den Gang ans Grab antritt kann man auf Bali eine fröhliche Menschenmenge beobachten, die ganz in weiß gekleidet und mit wehenden Fahnen den Verschiedenen auf seinem letzten Weg begleitet. In diesem Sinn ist wohl auch das spanische "Picknick am Grab" zu verstehen....

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Oliva B.
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Re: Allerheiligen/Todos los Santos/Tots Sants

Beitrag von Oliva B. » Fr 2. Nov 2012, 09:34

Range hat geschrieben:Hallo zusammen

Was ich noch nicht ganz verstehen kann, warum feiert man in E auf Friedhöfen, Friehof bedeute für mich der Ort der Stille und ein Platz der ewigen Ruh.

Bitte entschuldigt meine dämliche Frage, habe gerade innert wenigen Tagen 2 liebe Menschen verloren.

Gruss und LG Range (Heinz)
Hallo Heinz,

wie in dem eingangs verlinkten Artikel von Veintemundos beschrieben, ist es besonders in lateinamerikanischen Ländern (wie z.B. auch in Mexiko) üblichen, die geliebten Toten am "Día de los Muertos" zu besuchen. Man schmückt ihre Gräber, erzählt den Verstorbenen Neuigkeiten und feiert mit ihnen. Man bringt ihnen sogar Essen und Trinken mit. In Nicaragua schlafen die Familien in dieser Nacht sogar auf dem Friedhof. Jedes Land hat da seine eigenen Traditionen. Bilder
Das ist keinesfalls pietätlos, denn es zeigt nur, dass die Verstorbenen immer noch zum Leben ihrer Angehörigen dazu gehören.

Diese Rituale sind mindestens 3.000 Jahre alt. Schon in der pre-hispanischen Zeit war es üblich, Schädel als Trophäen zu behalten und sie während der Feier zu zeigen, denn sie symbolisieren Tod und Wiedergeburt. Auch heute noch werden in manchen Orten die Knochen der Toten gereinigt. Quelle. Die UNESCO hat den "Día de los Muertos" sogar als "Patrimonio Cultural Inmaterial de la Humanidad" deklariert. Die Tage vom 31. Oktober bis zum 2. November gehören in Mittel- und Südamerika den Toten.

Auf den spanischen Friedhöfen habe ich keine "Feierstimmung" bemerkt, aber es gab auch keine andächtige Ruhe wie in Deutschland, wo vor dem Betreten des Friedhofs gebeten wird, die Friedhofsruhe zu wahren. Man plauderte durchaus angeregt und betrachtete die blumengeschmückten Gräber eher wie Bilder in einer Galerie, nachdem man die Ruhestätten der eigenen Angehörigen besucht hatte.

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Re: Allerheiligen/Todos los Santos/Tots Sants

Beitrag von girasol » Fr 2. Nov 2012, 11:23

Hallo,

gestern Abend kam auch in den Tagesthemen ein Bericht über den Día de los Muertos in Mexiko. Ich habe zufällig reingeschaltet und habe mir das dann angesehen, weil dieser Tag ja sowohl bei mir im Spanisch-Kurs als auch hier im Forum Thema war. Es ist für uns schon eine etwas ungewohnte Art mit dem Tod umzugehen, aber ich fand es sehr interessant, etwas darüber zu erfahren.

Gruß
girasol
Die Welt ist ein Buch und wer nicht reist, liest davon nur eine Seite.
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Re: Allerheiligen/Todos los Santos/Tots Sants

Beitrag von girasol » Mo 19. Nov 2012, 14:04

Morgen gibt es einen Film zum Thema "Días de los muertos" in Mexiko:

Dienstag, 20.11.2012: einsfestival 16:15-17:00
Mexiko - Totenfest mit Pappmaché und Zuckerguss

Der Film erzählt die Geschichte von Betty, einer jungen Mexikanerin, die ihrem verstorbenen Großvater Agostin posthum seinen größten Wunsch erfüllen möchte.
Die ersten beiden Novembertage nennen die Mexikaner "los dias de los muertos" - die "Tage der Toten". Es sind die beiden wichtigsten Feiertage des Jahres. Sie werden begangen wie eine Mischung aus Weihnachten und Karneval. Schon in der letzten Oktoberwoche verwandelt sich das ganze Land in ein Meer aus orangefarbenen Ringelblumen; denn sie gelten als die Blumen der Toten. Und als Wegweiser. Die Mexikaner glauben nämlich, dass die Verstorbenen an den ersten beiden Novembertagen zurückkommen, um den Hinterbliebenen einen Besuch abzustatten. Die ausgelegten Blüten zeigen ihnen den Weg in die Häuser ihrer Familien. Dorthin, wohin man schon seit Tagen für sie kocht und die Wohnung festlich hergerichtet hat. Überall in den Straßen werden für das große Ereignis Berge von grellbunten Dekorationen verkauft. Vor den Geschäften und auf den Märkten stapeln sich Totenköpfe aus Plastik oder Zuckerguss, riesige Skelette aus Pappmaché, Kerzen und anderer Altarschmuck sowie Brot und Naschereien in Knochen- oder Totenschädelform.
Auch Betty fiebert auf die "dias de los muertos" hin. In ihrem Dorf an den Ufern des Pátzcuaro-Sees in Michoacán ist der Glaube, dass die Toten zurückkehren, besonders stark. Ihr Großvater Agostin ist erst vor wenigen Monaten verschieden; das diesjährige Totenfest ist also das erste Mal, dass er seine Familie wieder besucht. Wie für alle Verstorbenen wird für ihn im Hause seiner Familie ein Willkommensaltar errichtet. Dort soll er alles vorfinden, was er zu Lebzeiten besonders mochte: seine Lieblingsspeisen, kleine Erinnerungsobjekte, Fotos aus seinen besten Tagen, Blumen und seinen Lieblingsschnaps.
Seine Enkelin Betty möchte ihn zusätzlich überraschen: mit einer Cavalera, einem großen Skelett aus Pappmaché. Denn sie weiß, einer der größten Wünsche des Großvaters war, einmal zu erlernen, wie man diese bei den Mexikanern so beliebten Spaßfiguren herstellt. Um des Großvaters Traum stellvertretend zu erfüllen, macht sich Betty kurz vor Allerheiligen auf den Weg nach Mexiko-Stadt, denn dort finden sich die wahren Calavera-Künstler.
Die "dias de los muertos" gehen auf vorspanische Traditionen zurück und wurden von der UNESCO auf die Liste des immateriellen Kulturerbes gesetzt.

Quelle: www.einsfestival.de

Diese Woche gibt es bei der ARD übrigens eine Themenwoche "Leben mit dem Tod". Da gibt es noch viele interessante Sendungen.

Gruß
girasol
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Re: Allerheiligen/Todos los Santos/Tots Sants

Beitrag von Florecilla » Mo 29. Apr 2013, 22:46

Heute berichtet Andreas Drouve in seinem "Selbstversuch Spanien", wie in Spaniens Anzeigenbörsen Grabstätten in bester Lage ihre Besitzer wechseln:
  • Ein Zimmer. Keine Küche, kein Bad. Kein Flur, kein Balkon, kein Ausblick. Dafür alles aus Marmor und sofort bezugsfertig. Einzige Auflage: Man muss ziemlich tot sein.
    [...]
    Was die letzte Ruhe anbetrifft, sind private Käufe und Verkäufe von Grablegen jedweder Art untersagt. Erlaubt werden indes »Überlassungen von Nutzungsrechten«, sofern man diese an Verwandte oder Freunde abtritt. Man kann sich kaum vorstellen, wie schnell im Zuge anstehender Überschreibungen Fremde zu Freunden werden.
Selbstversuch Spanien lesen ...
Hasta luego,
Florecilla (Margit)

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Re: Allerheiligen/Todos los Santos/Tots Sants

Beitrag von rainer » Do 29. Okt 2015, 17:40

Ich glaube, dieses Jahr machen wir uns zu diesem Feiertag denn doch mal auf den Weg zu einem Friedhof.
Da soll ja einiges los sein. ;-) :-?
Mit Allerheiligen hatte ich im überwiegend protestantischen Herford bisher so gut wie nichts im Sinn.
Aber heute morgen auf dem Markt in Rojales wurden wir zwangsläufig auf dieses Thema gebracht:
Erster Eindruck: Was ist denn hier heute los? Jedenfalls viel mehr als sonst am frühen Morgen.
Pulks von Menschen vor jedem der Blumenstände, wo sonst höchstens mal ein, zwei Leute gleichzeitig stehen.
Und die Preise übrigens bei 200% des Gewohnten. Resultat der Überlegungen:
Ach so, Samstag ist ja Allerheiligen, da deckt man sich offenbar gewaltig ein.
Dann müssen wir nun doch mal dezent genauer hinschauen, wovon schon oft (auch hier) die Rede war. ;) :-D
Gruß
rainer

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Re: Allerheiligen/Todos los Santos/Tots Sants

Beitrag von sonnenanbeter » Do 29. Okt 2015, 18:55

rainer hat geschrieben:[...] Ach so, Samstag ist ja Allerheiligen [...]
Nein, Sonntag.
Und somit kannst Du damit rechnen, dass am Montag fast alle Geschäfte (bis auf einige Supermärkte), Banken, Behörden usw. geschlossen haben. Ist hier in Spanien nun mal so: Fällt ein gesetzlicher Feiertag auf einen Sonntag, wird montags "gefeiert".

Gruss
Herbert
Lebensstandard ist der Versuch, sich heute das zu leisten, für was man auch in zehn Jahren kein Geld haben wird.

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Re: Allerheiligen/Todos los Santos/Tots Sants

Beitrag von Atze » So 1. Nov 2015, 20:59

So wie ich das sehe, werden auch in Spanien nicht die Gräber zum Allerheiligen geschmückt, das hätte auch wenig Sinn, sondern die Gräber werden an Allerheiligen geschmückt und besonders in Spanien poliert und hergerichtet, damit sie an dem Folgetag Allersseelen sich von Anfang an in bestem Zustand befinden. Eigentlich sollte auch die Gräbersegnung an Allerseelen erfolgen, wird aber oft schon am Vortag (Allerheiligen) vorgezogen. Das Ganze geschieht auch deshalb, weil Allerheiligen ein gesetzlicher Feiertag ist, und sich die ganze Familie (zumindest die Frauen) auf dem Friedhof zum Putzen versammeln kann. An Allerseelen selbst sollte dann nicht mehr geputzt sondern nur noch der armen Seelen im Fegefeuer gedacht werden.

In dem Film "Volver" mit der bezaubernden Penelope Cruz klingt dieses Thema an.
LG Atze

Wenn dereinst die letzte Bohrinsel abgebaut und die letzte Tankstelle geschlossen ist,
werdet ihr feststellen, dass man bei Greenpeace nachts kein Bier kaufen kann.
(Prophezeiung der Cree-Indianer)

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