Hallo Mike,
ich denke, jeder greift mal in die Tiefkühltruhe oder nimmt sich ein eingeschweißtes Fertiggericht aus dem Regal oder holt sich bei Mercadona ein Fertiggericht von der Theke.
Ich fand da gerade einen Artikel, der zu unserem Subthema passt:
Fast 99 % der Spanier kaufen inzwischen mindestens einmal im Jahr ein Fertiggericht, im Schnitt kommt ungefähr einmal pro Woche eines auf den Tisch. Der Markt dafür macht mittlerweile rund 10 Milliarden Euro Umsatz – und wächst deutlich schneller als der übrige Lebensmittelhandel.
Das Interessante daran: Die Leute scheinen gar nicht unbedingt zu glauben, dass Fertiggerichte besser sind. Nur etwa 8 % halten sie für besser als selbst gekochtes Essen, und weniger als 20 % vertrauen ihnen wirklich. Gekauft werden sie trotzdem.
Der Grund dürfte ziemlich banal sein: Zeit. Oder besser gesagt: Viele wollen ihre Zeit einfach nicht mehr fürs Kochen verwenden. Dazu kommen Singles, ältere Menschen, die allein leben, und Berufstätige, die nach einem langen Arbeitstag weder einkaufen noch noch eine Stunde am Herd stehen wollen.
Auch darauf hat sich Mercadona längst eingestellt. In manchen Supermärkten gibt es Bereiche, in denen man fertige Gerichte kauft und sie gleich dort an Tischen und mit der Mikrowelle isst. Eigentlich ein kleines Restaurant im Supermarkt.
Und dahinter steckt inzwischen eine gewaltige Industrie. Ein Hersteller, der für Mercadona produziert, schafft beispielsweise
800.000 Gratins und 250.000 Brathähnchen – pro Woche. 
Lasagne gehört dabei zu den Verkaufsschlagern.
Dabei geht es längst nicht mehr nur um die klassische Tiefkühl-Lasagne, die man früher vielleicht eher aus Bequemlichkeit gegessen hat. Die Hersteller tüfteln an Kühlprodukten, neuen Verfahren und besseren Zutaten, damit das Ganze möglichst nah an frisch gekochtes Essen herankommt.
Und dann kommt der eigentliche Widerspruch:
Die Küche verschwindet nicht – sie wird immer schöner.
IKEA beschreibt die Küche inzwischen als Herzstück der Wohnung, offen zum Wohnbereich und viel stärker in den Mittelpunkt gerückt als früher. Ausgerechnet der Raum, der immer weniger zum Kochen genutzt wird, wird also architektonisch immer wichtiger.
Vielleicht ist das tatsächlich die Entwicklung: Man sitzt weiterhin in einer schönen offenen Küche, unterhält sich dort, trinkt seinen Kaffee – und das Essen kommt aus einer Fabrik und wird nur noch kurz warm gemacht.
Die Frage ist dann irgendwann gar nicht mehr, ob wir eine Küche haben. Sondern wofür wir sie eigentlich noch brauchen.
Ich frage mich nur, ob das einfach nur eine vernünftige Anpassung an unseren heutigen Alltag ist – oder geht dabei etwas verloren, das mehr ist als nur die Fähigkeit, eine Tortilla zu braten?
"Aufhänger" für mich war ein Artikel von La Vanguardia, der schon ein paar Monate alt is (29/01/2026 ). Überschrift: ¿Casas sin cocina? Así están cambiando los platos preparados los hogares y rutinas del país