Re: Religiöses Zusammenleben im mittelalterlichen Al-Andalus
Verfasst: Mi 11. Mär 2026, 18:33
Weiter geht es hier mit dem Gebiet, aus dem die muslimischen Eroberer kamen: Nordafrika war ja erst seit wenigen Jahrzehnten islamisch.
(Ich sehe immer mehr, dass es noch etwas dauert, bis ich zum eigentlichen Thema komme, meine jedoch, dass auch die Vorentwicklung wichtig ist).
Im Altertum wurde dieses Gebiet „Numidien“ genannt- mit Ausnahme vom heutigen Tunesien, das von den Römern als „Afrika“ bezeichnet wurde, was unter dem Islam „Ifriqua“ wurde. Für die Araber hieß dieses Nordafrika der „Maghreb“= Westen.
Hauptsächlich lebten dort damals wie heute Berber, an den Küsten hatten sich Phönizier in Hafenstädten angesiedelt. Die hatten wenig Interesse, ihr Hinterland zu beherrschen. Als Händler war die Hafenstadt als Stützpunkt am wichtigsten. Als Soldaten zum Schutz ihrer Städte dienten meist Söldner aus der Umgebung. Hannibal z.B. hatte eine fast reine Söldnerarmee.
Vor dem Siegeszug des Islam war der Maghreb schon früh zunehmend christlich, wobei sich dort, wie auch in der übrigen Christenheit, viele Strömungen bildeten. Zur Zeit des Augustinus der dort um 400 n.Chr. wirkte (seine Mutter – Monika – soll eine Berberin gewesen sein) waren es u.a. besonders die Donatisten, die besonders rigide christliche Tugenden auch mit Gewalt durchsetzten und die Augustinus wortstark bekämpfte.
Erstaunlich ist, dass es die Hauptdarsteller unseres Themas – die Muslims – erst seit Kurzem gab. ( Nach dem Islam war allerdings schon Adam der erste Muslim, von dem herausragenden Jesus, der immerhin der zweitwichtigste Prophet war, zu schweigen).
Mohammed wurde um das Jahr 570 in Mekka geboren, 622 erfolgte die bekannte Flucht nach Medina, 632 v. Chr. starb er. Um seine irdische Nachfolge kam es ab dem 4. Kalifen (Kalif = Nachfolger, Stellvertreter) nach 661 zu größeren Streitereien, bei denen auch im westlichen Bereich die Schiiten zunächst noch eine größere Rolle spielten, - später und in unserer Zeit bildeten dort die Schiiten eine Minderheit.
Es waren dann die Omayaden (die Sippe, aus der auch Mohammed stammte), die nach kriegerischen Erfolgen im Norden und Osten sich auch dem Westen zuwendeten. Da lag zunächst Ägypten, das nach der Eroberung durch Alexander und die Römer hellenistisch – jüdisch – christlich war und auch noch lange blieb. (Prinzipiell bildeten die mehr verstädterten Ägypter und die mehr nomadischen Araber einen Gegensatz, der trotz gemeinsamen Glaubens bis heute bemerkbar ist).
In zähen Kleinkämpfen unterwarfen die arabischen Omayaden den Maghreb. Einer aus ihrer Familie – Musa ibn Nusayr wurde Gouverneur im heutigen Tunis (Ifriqua). Ein Truppenführer von ihm– der Berber Tariq ibn Ziyad – lernte rasch bei mehreren Raubzügen, dass zumindest die spanische Küste sehr leicht geplündert werden konnte. Spanien war durch Kämpfe der dünnen westgotischen Oberschicht untereinander und über eine teils christliche, teils noch heidnische Bevölkerung instabil, in den östlichen Küstenstädten hatte eher Byzanz die Macht. So setzte Tariq mit 7000 + später weiteren 5000 Mann, an der engsten Stelle nach Spanien über, (der Felsen dort wurde danach Dschebel al Tariq → Gibraltar genannt) und schlug im Juli 711 das westgotische Heer unter Roderich am Rio Guadelete, eroberte dann (eigentlich gegen die Anweisung seines Chefs Musa) Cordoba, Malaga und Toledo (die Hauptstadt des westgotischen Reiches). Als Musa sah, dass in Spanien reiche Beute winkte, beteiligte er sich ab 712 mit einem weiteren Heer von 12.000 Mann an der Eroberung und nahmen fast ganz Spanien bis Saragossa und Navarra ein. Die wenigen Westgoten hatten meist nur Söldner unter sich, die oft die Seiten wechselten.
Geschichtlich nicht völlig gesichert ist die Erzählung, dass Julian, ein byzantinischer Statthalter von Ceuta, die Berber regelrecht nach Spanien einlud, um sich wegen der Vergewaltigung seiner Tochter durch den letzten Westgotenkönig Roderich an diesem zu rächen.
714 wurden Tariq und Musa nach Damaskus gerufen, da sie ihre Befehle überschritten ( und wohl zu viel von den geraubten Schätzen für sich abgezweigt) hatten und fielen in Ungnade.
749 putschte ein über Abbas, einem Onkel Muhammeds mit diesem ebenfalls verwandter Stamm gegen die Omayaden und brachte diese bei einem Bankett in Palästina fast vollständig um. Die „Abbasiden“ verlegten ihren Sitz von Damaskus nach Bagdad, das sie prunkvoll ausbauten. Der letzte Abbaside wurde im „Mongolensturm“ 1258 getötet. Der aus „1001 Nacht“ berühmte Harun al Raschid, der auch mit Karl dem Großen korrespondierte, war auch ein Abbaside.,.
Ein Omayadenprinz – Abd ar Rahman I. - konnte jedoch dem Gemetzel von 749 entkommen. Er schaffte es in den Maghreb bis zu seiner Berber-Mutter, setzte von dort aus mit einer Gefolgschaft 756 nach Spanien über und vertrieb den Statthalter von Cordoba (die Omayaden hatten dort noch eine Art Hausmacht).
Er gründete das Emirat von Cordoba, das ein Nachfolger ab 929 zum Kalifat erhob.
Emir = (weltlicher) Fürst, Kalif = weltlicher und zugleich religiöser Führer in der Nachfolgeschaft Mohammeds.
Nach diesem überaus langem (aber imho notwendigen) Vorspiel mit Abschweifungen kommen wir demnächst und endlich zu den in Spanien etablierten muslimischen Herrscherstrukturen und zu unserem eigentlichen Thema.
(Ich sehe immer mehr, dass es noch etwas dauert, bis ich zum eigentlichen Thema komme, meine jedoch, dass auch die Vorentwicklung wichtig ist).
Im Altertum wurde dieses Gebiet „Numidien“ genannt- mit Ausnahme vom heutigen Tunesien, das von den Römern als „Afrika“ bezeichnet wurde, was unter dem Islam „Ifriqua“ wurde. Für die Araber hieß dieses Nordafrika der „Maghreb“= Westen.
Hauptsächlich lebten dort damals wie heute Berber, an den Küsten hatten sich Phönizier in Hafenstädten angesiedelt. Die hatten wenig Interesse, ihr Hinterland zu beherrschen. Als Händler war die Hafenstadt als Stützpunkt am wichtigsten. Als Soldaten zum Schutz ihrer Städte dienten meist Söldner aus der Umgebung. Hannibal z.B. hatte eine fast reine Söldnerarmee.
Vor dem Siegeszug des Islam war der Maghreb schon früh zunehmend christlich, wobei sich dort, wie auch in der übrigen Christenheit, viele Strömungen bildeten. Zur Zeit des Augustinus der dort um 400 n.Chr. wirkte (seine Mutter – Monika – soll eine Berberin gewesen sein) waren es u.a. besonders die Donatisten, die besonders rigide christliche Tugenden auch mit Gewalt durchsetzten und die Augustinus wortstark bekämpfte.
Erstaunlich ist, dass es die Hauptdarsteller unseres Themas – die Muslims – erst seit Kurzem gab. ( Nach dem Islam war allerdings schon Adam der erste Muslim, von dem herausragenden Jesus, der immerhin der zweitwichtigste Prophet war, zu schweigen).
Mohammed wurde um das Jahr 570 in Mekka geboren, 622 erfolgte die bekannte Flucht nach Medina, 632 v. Chr. starb er. Um seine irdische Nachfolge kam es ab dem 4. Kalifen (Kalif = Nachfolger, Stellvertreter) nach 661 zu größeren Streitereien, bei denen auch im westlichen Bereich die Schiiten zunächst noch eine größere Rolle spielten, - später und in unserer Zeit bildeten dort die Schiiten eine Minderheit.
Es waren dann die Omayaden (die Sippe, aus der auch Mohammed stammte), die nach kriegerischen Erfolgen im Norden und Osten sich auch dem Westen zuwendeten. Da lag zunächst Ägypten, das nach der Eroberung durch Alexander und die Römer hellenistisch – jüdisch – christlich war und auch noch lange blieb. (Prinzipiell bildeten die mehr verstädterten Ägypter und die mehr nomadischen Araber einen Gegensatz, der trotz gemeinsamen Glaubens bis heute bemerkbar ist).
In zähen Kleinkämpfen unterwarfen die arabischen Omayaden den Maghreb. Einer aus ihrer Familie – Musa ibn Nusayr wurde Gouverneur im heutigen Tunis (Ifriqua). Ein Truppenführer von ihm– der Berber Tariq ibn Ziyad – lernte rasch bei mehreren Raubzügen, dass zumindest die spanische Küste sehr leicht geplündert werden konnte. Spanien war durch Kämpfe der dünnen westgotischen Oberschicht untereinander und über eine teils christliche, teils noch heidnische Bevölkerung instabil, in den östlichen Küstenstädten hatte eher Byzanz die Macht. So setzte Tariq mit 7000 + später weiteren 5000 Mann, an der engsten Stelle nach Spanien über, (der Felsen dort wurde danach Dschebel al Tariq → Gibraltar genannt) und schlug im Juli 711 das westgotische Heer unter Roderich am Rio Guadelete, eroberte dann (eigentlich gegen die Anweisung seines Chefs Musa) Cordoba, Malaga und Toledo (die Hauptstadt des westgotischen Reiches). Als Musa sah, dass in Spanien reiche Beute winkte, beteiligte er sich ab 712 mit einem weiteren Heer von 12.000 Mann an der Eroberung und nahmen fast ganz Spanien bis Saragossa und Navarra ein. Die wenigen Westgoten hatten meist nur Söldner unter sich, die oft die Seiten wechselten.
Geschichtlich nicht völlig gesichert ist die Erzählung, dass Julian, ein byzantinischer Statthalter von Ceuta, die Berber regelrecht nach Spanien einlud, um sich wegen der Vergewaltigung seiner Tochter durch den letzten Westgotenkönig Roderich an diesem zu rächen.
714 wurden Tariq und Musa nach Damaskus gerufen, da sie ihre Befehle überschritten ( und wohl zu viel von den geraubten Schätzen für sich abgezweigt) hatten und fielen in Ungnade.
749 putschte ein über Abbas, einem Onkel Muhammeds mit diesem ebenfalls verwandter Stamm gegen die Omayaden und brachte diese bei einem Bankett in Palästina fast vollständig um. Die „Abbasiden“ verlegten ihren Sitz von Damaskus nach Bagdad, das sie prunkvoll ausbauten. Der letzte Abbaside wurde im „Mongolensturm“ 1258 getötet. Der aus „1001 Nacht“ berühmte Harun al Raschid, der auch mit Karl dem Großen korrespondierte, war auch ein Abbaside.,.
Ein Omayadenprinz – Abd ar Rahman I. - konnte jedoch dem Gemetzel von 749 entkommen. Er schaffte es in den Maghreb bis zu seiner Berber-Mutter, setzte von dort aus mit einer Gefolgschaft 756 nach Spanien über und vertrieb den Statthalter von Cordoba (die Omayaden hatten dort noch eine Art Hausmacht).
Er gründete das Emirat von Cordoba, das ein Nachfolger ab 929 zum Kalifat erhob.
Emir = (weltlicher) Fürst, Kalif = weltlicher und zugleich religiöser Führer in der Nachfolgeschaft Mohammeds.
Nach diesem überaus langem (aber imho notwendigen) Vorspiel mit Abschweifungen kommen wir demnächst und endlich zu den in Spanien etablierten muslimischen Herrscherstrukturen und zu unserem eigentlichen Thema.