Montgo hat geschrieben:Als damals die "antiautoritäre "Erziehung anfing war mir klar dass das ins Auge gehen musste.
Ich kann mich erinnern, dass meine Eltern Bekannte hatten, deren Kinder "antiautoritär" erzogen wurden. Bei denen ging zu Hause immer die Post ab. "Ich will" oder "ich will nicht" waren da noch harmlose Erscheinungsformen. Die Kinder konnten tuen und lassen, was sie wollten und das machte auch vor der Zerstörung von Wohnung und Einrichtung keinen Halt ... die "Kleinen" sollten sich ja frei entfalten.
Dummerweise verwechselten damals wohl viele Eltern die antiautoritäre Erziehung mit dem "Laissez-faire-Stil", bei dem die Kinder sich mehr oder weniger selbst überlassen wurden, die Erziehungsberechtigten sich passiv und somit eher antipädagogisch verhalten.
Der Grundgedanke der antiautoritären Erziehung in seinem ursprünglichen Verständnis ist in meinen Augen ein Erziehungsstil, der - korrekt praktiziert - zu befürworten ist. Kinder sollen sich zu selbstbewussten, kreativen, gemeinschafts- und konfliktfähigen Persönlichkeiten entwickeln. Alexander Summerhill, der als einer der Begründer dieses Erziehungsstils gilt, verfuhr nach dem Prinzip "freie Erziehung", aber nicht "frei von Erziehung". Regeln müssen sein, dürfen die Kinder in ihrer Entfaltung aber nicht einengen. Dieses Erziehungsprinzip wurde in den 1960er Jahren von der Studentenbewegung und anderen Verbänden aufgegriffen und neu interpretiert. Dies führte dann offensichtlich zu den oben geschilderten Erscheinungsformen.
Zurück zum hier und jetzt: Ich selbst habe zwar keine Kinder und kann mir laut Aussage von einigen, mir bekannten Eltern angeblich deshalb keine Meinung zum Thema Kinder und Erziehung erlauben. Aber ich habe tagtäglich mit den Ergebnissen der Erziehung "meiner Generation" zu tuen. Und da kann man bei den jungen Menschen recht schnell feststellen, wie das Elternhaus "tickt". Mein Eindruck ist, dass es - grob gesagt - zwei Gruppen von jungen Erwachsenen gibt. Gruppe 1 hatte zu Hause klare Regeln. Ihr wurde Benehmen, Respekt, zielorientiertes Verhalten, ein gesundes Maß an Selbstbewusstsein und Teamfähigkeit vermittelt. Gruppe 2 stellt sich immer selbst in den Mittelpunkt und scheint von den Eltern "wertfrei" erzogen worden zu sein. Alle Werte und Charaktereigenschaften, mit denen man es im Leben zu etwas bringt, wurden nicht vermittelt. Diese Jugendlichen sind offensichtlich "erziehungsresistent".
Ich weiß, dass meine Worte relativ "hart" klingen und ein schwarz-weißes Bild malen. Sicherlich darf man nicht vergessen, dass es jede Menge Grautöne gibt und heutzutage die Eltern nur einen Teil des Einflusses ausmachen, dem ein Kind ausgesetzt ist. Medien, Computer, Schule, soziales Umfeld usw. haben heute einen wesentlich höheren Einfluß als vor 20 oder 30 Jahren. Das Erwachsenwerden ist für die Kinder und Jugendlichen ganz sicher nicht leichter geworden. Ich weiß nicht, ob ich heute Kind sein wollte ... aber das hat wohl jede nachfolgende Generation gesagt, denn früher war ja immer alles besser
Entschuldigt ... es ist ein bisschen mit mir durchgegangen
