Re: 40 bzw. 45 Jahre nach Franco
Verfasst: Do 17. Sep 2020, 08:45
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Miesepeter hat geschrieben: ↑Do 17. Sep 2020, 21:51 Geschichte sind nun mal ununterbrochen fortlaufende Ereignisse, die ineinander fießen. Im Nachhinein erscheinen dann "Ausschnitte" d.h. EINE Geschichte (von bis) die man ohne Kenntis oder Berücksichtigung der vorausgegangene Erignisse (Ursache) nicht gänzlich erfassen kann, will oder soll. So hat bei oder nach Konflikten der Überlegene IMMER recht und braucht nichts zu erklären, nachzuweisem oder gar entschuldigen, dem Unrlegenen werden hingege notfalls kolektive Schuldgfühle und damit eine Pflicht aus Wiedergutmachung eingetrichtert. Die Jahre 1931-36 werdn heute übergangen, bagatellisiert oder unter de Teppich gekehrt.
Wie du am Titel dieses Themas erkennen kannst, geht es nicht um die Zweite Republik (1931-1936/1939), sondern um die Franco-Ära und die Aufarbeitung seiner Schreckensherrschaft. Es geht um rund 40 Jahre Menschenrechtsverletzung, die unter den Teppich gekehrt wurden.
„Verstehen“ kann man sich nur, wenn jeder zu Wort kommt und seine Argumente einbringen kann. Die Diktatur Francisco Francos dauerte von 1936/1939 bis zu den ersten freien Wahlen 1977. In dieser Zeit wurde die Geschichte aus seiner Sicht geschrieben, und nach Francos Tod einigten sich Regimegegner wie Regimeträger die Franco-Zeit durch den „Pakt des Schweigens“ (Pacto del Olvido,) der übrigens nie schriftlich fixiert wurde, die jüngste Vergangenheit ruhen zu lassen. Seinen politisch-administrativen Ausdruck fand dieser ungeschriebene Pakt im Amnestiegesetz von 1977 für die zur Zeit des Bürgerkriegs und unter der Franco-Diktatur begangenen Verbrechen. Die konservative Volkspartei PP hat während ihrer Regierungszeit (1996 bis 2004) erfolgreich verstanden, die Erinnerungen zu verdrängen und die Beschäftigung mit der jüngsten Vergangenheit zu verhindern.Miesepeter hat geschrieben: ↑Do 17. Sep 2020, 21:51Wie will man da je zu einer Verständigung kommen, wen die alten Wunden imer wieder aufs Neue aufgerissen werden und die Wenigsten der jetzigen Akteure weder den Bürgerkrieg noch die Franco-Zeit bewusst und gewissehaft miterlebt haben - die regierenden Politiker an allerwenigsten.
In die Geschichtsbücher flossen deshalb nur die Zeit des Wirtschaftsaufschwungs und der Erneuerung, die du, Miesepeter, noch in so lebhafter Erinnerung hast. Die Zeit der Diktatur (die Säuberungsaktionen, Konzentrationslager, Inhaftierung mehrerer hunderttausend Kriegsverlierer, Vertreibung von fast einer halben Million Menschen ins Exil, brutale Verfolgung von Regimekritikern) wurde darin nicht aufgearbeitet. Erst 2007 unter Zapatero wurde das Gesetz der „memoria histórica“ verabschiedet, das ermöglichte, Relikte aus der Franco-Zeit zu entfernen und damit symbolisch die diktatorische Vergangenheit zu bewältigen.
Wie schwer sich Spanien mit dem Erbe des Franco-Regimes tat, zeigte sich 2012, als die Königliche Akademie der Geschichte in Madrid ein 2011 von ihr publiziertes vielbändiges Geschichtslexikon teilweise zurückziehen musste, nachdem publik wurde, dass ein großer Teil der Artikel zu den politischen Akteuren aus der Franco-Zeit von Historikern verfasst worden war. Geschichtskosmetik in Spanien: Konservative Historiker schönen das Bild des Diktators Franco
Nun sind die „anderen“ dran, die spanische Geschichte mit entsprechenden Beweisen (u. a. Aushebung von Massengräbern mit verschwundenen Anhängern der Opposition) zu korrigieren und zu vervollständigen. Durch die Aufklärung und Aufarbeitung des Bürgerkrieges und der Franco-Diktatur werden sich immer mehr Spanier vom Franquismus distanzieren.
Das waren nicht "die Engländer", sondern Bepp und Collard. Collard war zwar vom Geheimdienst, war aber eine schillernde Abenteuerfigur. Es ist nicht erwiesen, dass die britische Regierung von dem Vorhaben wusste.Miesepeter hat geschrieben: ↑Sa 19. Sep 2020, 10:08 Was wäre passiert, wenn z.B. die Engländer den "Dragon Rapide" nicht zur Verfügung gestellt hätten? Oder wenn die Reichstagswahlen 1933 anders ausgalufen wären? Beide Ursachen haben jedenfalls ganz entscheidend erst möglich gmcht, was danach kam, d.h. sie sind die Verursacher, die letztendlich (mit-)verantwortlich zu machen sind.
Das waren nicht "die Engländer", sondern Bepp und Collard, die das Verkehrsflugzeug privat charterten. Collard war zwar früher beim Geheimdienst, war aber eine schillernde Abenteuerfigur. Es ist nicht erwiesen, dass die britische Regierung von dem Vorhaben wusste.Miesepeter hat geschrieben: ↑Sa 19. Sep 2020, 10:08 Was wäre passiert, wenn z.B. die Engländer den "Dragon Rapide" nicht zur Verfügung gestellt hätten? Oder wenn die Reichstagswahlen 1933 anders ausgalufen wären? Beide Ursachen haben jedenfalls ganz entscheidend erst möglich gmcht, was danach kam, d.h. sie sind die Verursacher, die letztendlich (mit-)verantwortlich zu machen sind.