Nochebuena en familia
Verfasst: Fr 7. Jan 2022, 18:42
Erinnerungen an eine Zeit, in der uns noch vieles „spanisch“ vorkam
Heilig Abend 2011 in einem kleinen andalusischen Dorf
Hatten wir Antonio wirklich richtig verstanden, als er erzählte, dass am Heiligen Abend die ganze Nacht hindurch pausenlos gegessen wird? Wir essen ja wirklich ganz gerne, aber ununterbrochen? Und dann auch noch nachts? Wer hält das denn aus und - was sollte es denn da wohl alles geben?
Für uns war das alles recht ungewohnt, doch - andere Länder, andere Sitten.
Schon am Morgen wuselte Emilia mit Carmen, ihrer Tochter, zwischen Küche und Patio hin und her, schnippelten hier Gemüse, schuppten dort die Fische und dann kamen sie auch noch mit einem toten Kaninchen aus dem Stall. Es dauerte nicht lange, da zog verführerischer Duft bis zu uns herüber - nur an das tote Kaninchen durfte ich nicht denken.
Die Stunden vergingen und der Abend kam, der Heilige Abend, Nochebuena in einem kleinen Dorf in Andalusien.
Lustig flackerte das Feuer im Kamin als wir eintrafen. Außer Paulo, einem brasilianischen Freund und uns gab es keine weiteren Gäste; es war also in kleiner Kreis von überschaubaren 6 Personen. Fast unüblich für Andalusien, wo eigentlich immer die ganze riesige Sippschaft zusammenkommt.
Wir wurden an den runden Tisch gebeten und der Hausherr schenkte allen ein Glas Vino Tinto ein - Wasser gab es auch.
Die Konversation gestaltete sich zwar anfangs ein wenig mühsam, aber schon bald befanden wir uns in einem lustigen spanisch-portugiesisch-englischem Kauderwelsch. Und dann starteten die Damen des Hauses das pausenlose Weihnachtsnachtessen:
Mit einer Hühnersuppe fing es an. Darauf folgte jede Menge Salat. Bis dahin war ja alles noch in Ordnung. Doch dann löste eine Speise die andere ab; von Garnelen bis zum Bacalao, Lammkoteletts und Conejo en salsa (ohhhh mein armes Kaninchen), meist begleitet von in Olivenöl schwimmenden Bratkartoffeln, Zwiebeln und Paprika. Na klar, an Knoblauch wird hier natürlich auch nicht gespart. Das ging so etwa 3-4 Stunden lang im Wechsel. So ein Essen war für uns ungewohnt, aber sich davor zu drücken würde die Gastfreundschaft verletzen. Da müssen wir also durch. Als ich schon glaubte, gleich „platzen“ zu müssen, wurden die Teller wieder eingesammelt und ich atmete auf. Uff, geschafft, dachte ich, hatte die Rechnung allerdings ohne den Wirt gemacht:
Nun stellte der Hausherr einen großen Teller mit dem traditionellen Weihnachtsgebäck, Mantecados, Schokolade und Turrónes auf den Tisch und nötigte seine Gäste zum Zugreifen. Eins, aus Höflichkeit – ach nein, du musst das hier auch probieren, das hier ist mit Rotwein und das da mit Mandeln und so ging es immer weiter und mein Magen schien mittlerweile Ausbeulungen eines Kartoffelsackes anzunehmen.
Ein verstohlener Blick auf Jefe zeigte mir, dass es ihm nicht besser ging. Ich wollte nur noch nach Hause ins Bett.
Aber daran war noch nicht zu denken, denn nun kam die Tochter des Hauses mit einer Bisquitrolle – sah jedenfalls so aus - und ich dachte, na ja, so ein kleines Stückchen schaffst du auch noch. Neee, also das war für mich nun wirklich ungenießbar. Keine Ahnung, was das für eine Creme war, schmeckte jedenfalls unterirdisch und klebte wie Kleister am Gaumen. Wie gut, dass noch die Flasche Wasser auf dem Tisch stand.
Zum krönenden Abschluss der Nacht – es war so gegen 1:30 Uhr am Weihnachtsmorgen – köpfte der Hausherr eine Flasche andalusischen Schaumweins und nach einigen Trinksprüchen wurde dann die Tafel aufgehoben.
An Schlafen war in der Nacht nicht zu denken, denn zu schwer lag und das alles im Magen. Zwei Tage lang waren wir nicht in der Lage, irgendetwas zu essen.
Und nun bangen wir in jedem Jahr vor Weihnachten: Hoffentlich bekommen wir keine Einladung in irgendeine andalusische Familie. Solch ein Essen würden wir nicht noch einmal überstehen.
Diese Geschichte liegt zwar schon viele Jahre zurück, doch sie ist uns immer noch erschreckend präsent.
Heilig Abend 2011 in einem kleinen andalusischen Dorf
Hatten wir Antonio wirklich richtig verstanden, als er erzählte, dass am Heiligen Abend die ganze Nacht hindurch pausenlos gegessen wird? Wir essen ja wirklich ganz gerne, aber ununterbrochen? Und dann auch noch nachts? Wer hält das denn aus und - was sollte es denn da wohl alles geben?
Für uns war das alles recht ungewohnt, doch - andere Länder, andere Sitten.
Schon am Morgen wuselte Emilia mit Carmen, ihrer Tochter, zwischen Küche und Patio hin und her, schnippelten hier Gemüse, schuppten dort die Fische und dann kamen sie auch noch mit einem toten Kaninchen aus dem Stall. Es dauerte nicht lange, da zog verführerischer Duft bis zu uns herüber - nur an das tote Kaninchen durfte ich nicht denken.
Die Stunden vergingen und der Abend kam, der Heilige Abend, Nochebuena in einem kleinen Dorf in Andalusien.
Lustig flackerte das Feuer im Kamin als wir eintrafen. Außer Paulo, einem brasilianischen Freund und uns gab es keine weiteren Gäste; es war also in kleiner Kreis von überschaubaren 6 Personen. Fast unüblich für Andalusien, wo eigentlich immer die ganze riesige Sippschaft zusammenkommt.
Wir wurden an den runden Tisch gebeten und der Hausherr schenkte allen ein Glas Vino Tinto ein - Wasser gab es auch.
Die Konversation gestaltete sich zwar anfangs ein wenig mühsam, aber schon bald befanden wir uns in einem lustigen spanisch-portugiesisch-englischem Kauderwelsch. Und dann starteten die Damen des Hauses das pausenlose Weihnachtsnachtessen:
Mit einer Hühnersuppe fing es an. Darauf folgte jede Menge Salat. Bis dahin war ja alles noch in Ordnung. Doch dann löste eine Speise die andere ab; von Garnelen bis zum Bacalao, Lammkoteletts und Conejo en salsa (ohhhh mein armes Kaninchen), meist begleitet von in Olivenöl schwimmenden Bratkartoffeln, Zwiebeln und Paprika. Na klar, an Knoblauch wird hier natürlich auch nicht gespart. Das ging so etwa 3-4 Stunden lang im Wechsel. So ein Essen war für uns ungewohnt, aber sich davor zu drücken würde die Gastfreundschaft verletzen. Da müssen wir also durch. Als ich schon glaubte, gleich „platzen“ zu müssen, wurden die Teller wieder eingesammelt und ich atmete auf. Uff, geschafft, dachte ich, hatte die Rechnung allerdings ohne den Wirt gemacht:
Nun stellte der Hausherr einen großen Teller mit dem traditionellen Weihnachtsgebäck, Mantecados, Schokolade und Turrónes auf den Tisch und nötigte seine Gäste zum Zugreifen. Eins, aus Höflichkeit – ach nein, du musst das hier auch probieren, das hier ist mit Rotwein und das da mit Mandeln und so ging es immer weiter und mein Magen schien mittlerweile Ausbeulungen eines Kartoffelsackes anzunehmen.
Ein verstohlener Blick auf Jefe zeigte mir, dass es ihm nicht besser ging. Ich wollte nur noch nach Hause ins Bett.
Aber daran war noch nicht zu denken, denn nun kam die Tochter des Hauses mit einer Bisquitrolle – sah jedenfalls so aus - und ich dachte, na ja, so ein kleines Stückchen schaffst du auch noch. Neee, also das war für mich nun wirklich ungenießbar. Keine Ahnung, was das für eine Creme war, schmeckte jedenfalls unterirdisch und klebte wie Kleister am Gaumen. Wie gut, dass noch die Flasche Wasser auf dem Tisch stand.
Zum krönenden Abschluss der Nacht – es war so gegen 1:30 Uhr am Weihnachtsmorgen – köpfte der Hausherr eine Flasche andalusischen Schaumweins und nach einigen Trinksprüchen wurde dann die Tafel aufgehoben.
An Schlafen war in der Nacht nicht zu denken, denn zu schwer lag und das alles im Magen. Zwei Tage lang waren wir nicht in der Lage, irgendetwas zu essen.
Und nun bangen wir in jedem Jahr vor Weihnachten: Hoffentlich bekommen wir keine Einladung in irgendeine andalusische Familie. Solch ein Essen würden wir nicht noch einmal überstehen.
Diese Geschichte liegt zwar schon viele Jahre zurück, doch sie ist uns immer noch erschreckend präsent.
. Was am Anfang des Festmahls noch flott die Kehle runterrutscht, wird zwei Stunden später schon zur Tortur. Aber gibt es nicht schlimmere Foltermethoden?
Deshalb heißt es an diesen Tagen: „Augen zu und hoffen, dass es nach ein paar Stunden vorbei ist".