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Tourismus und seine Folgen
Verfasst: Mi 2. Sep 2026, 22:35
von Oliva B.
Der zunehmende Massentourismus wird in vielen Regionen Spaniens kontrovers diskutiert. Hohe Besucherzahlen können zu Belastungen für Wohnraum, Infrastruktur, Natur und Wasserressourcen führen. Besonders betroffen sind unter anderem stark frequentierte Städte und Küstenregionen sowie sensible Naturräume.
Als mögliche Ansätze werden unter anderem eine Begrenzung der Besucherzahlen in besonders belasteten Gebieten, eine stärkere Berücksichtigung des lokalen Wohnraumbedarfs, ein bewussterer Umgang mit Wasser sowie eine nachhaltigere Verkehrspolitik genannt. Auch eine stärkere wirtschaftliche Diversifizierung touristischer Regionen wird diskutiert.
Ziel wäre ein Tourismusmodell, das die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus mit den Interessen der Bevölkerung und den ökologischen Belastungsgrenzen in Einklang bringt.
Wer sich eine eigene Meinung dazu bilden möchte: Die Greenpeace-Petition enthält konkrete Vorschläge zum Umgang mit den Folgen des Massentourismus und ist vielleicht eine interessante Grundlage für die Diskussion:
Link zur Petition
Re: Tourismus und seine Folgen
Verfasst: Do 3. Sep 2026, 11:41
von chris
Naja, wie immer, zuerst eine reißerische Überschrift:
"Basta de turismo depredador. No a la turistificación de nuestros entornos"
Und dann ein bunter Strauß an Forderungen, von der Beschränkung des KfZ-Individualverkehrs über den Zugang zu bezahlbaren Mietwohnungen bis hin zur Wiederherstellung der Küstenlinie, bei der man sich automatisch fragt, wie das geschehen soll, wenn man sich das von Greenpeace ausgewählte Foto ansieht. Alles wegbomben und den Schutt mit dem Lastenfahrrad abtransportieren?
Die "turistificación" ist das, wovon Millionen Menschen in diesem Land leben, nicht von ökologischen Orangen oder polarisierenden Phrasen. Leider stecken durchaus gute Ansätze (die allerdings von vielen Seiten seit langem formuliert werden) nur als Bodensatz in einem sehr politischen Pamphlet, das sind u.a. die Wasserversorgung. Die ist nicht endlos ausbaubar, aber wie stellt sich GP vor, dass die Einheimischen zuerst drankommen sollen? Keine Trinkwasser mehr für Touristen? Und wenn Einheimische die Golfplätze aufsuchen, werden die dann im Hochsommer bewässert, während die Duschen in den Hotels trocken bleiben?
Auch sehe ich den Pauschaltourimus mit seinen Bettenburgen nicht in Verbindung mit Individualverkehr mit dem eigenen Kraftwagen, oder dem Privatjet, den GP nebenher auch verbieten will.
Ob es mit diesem Forderungskatalog greener wird, das weiß ich nicht, aber Peace gibt es auf keinen Fall, denn hier werden Bevölkerungsgruppen gegeneinander ausgespielt, und ich werde das Gefühl nicht los, dass die Essenz des Ganzen ein gewisser Neid auf den (vermeintlichen) Wohlstand der an den Pranger Gestellten ist. Ein wichtiger Wirtschaftszweig - in vielen Gegenden der einzig relevante - soll in einen Würgegriff genommen werden, und man hetzt regelrecht die Bevölkerung dazu auf, den Ast abzusägen, auf dem alle sitzen: Die Touristen trinken euch das Wasser weg, die Touristen mieten euch die Wohnungen weg, die Touristen verstopfen eure Straßen mit ihren Autos und eure Lufträume mit ihren Düsenklippern, und am Ende des Tages setzen sie auch noch einen Kackhaufen an euren Strand.
Es gibt zweifelsohne einiges zu tun und zu verbessern, aber dermaßen selbstzerstörerischer Extremismus kann kaum ein Lösungsansatz sein.
Re: Tourismus und seine Folgen
Verfasst: Do 3. Sep 2026, 13:05
von Beefeater
Hola a todos,
ich sehe das als Einzelkind eher subjektiv.
Würden mir die Massen von Touristen im Hochsommer fehlen? Ganz klar NEIN. Spanien ist ohne viel schöner.
Im Hochsommer halten wir uns seit Jahren eh von den Touri Hotspots fern, so weit das geht.
Nur wovon sollen die gefühlt Mio Restaurantes, Bars, Hotels und Touri Geschäfte dann leben?
Und die dort angestellten Millionen Spanier erst?
Wer da wieder meckert, demonstriert und alles negativ darstellt, hat mit der "Tourismus-Industrie" wohl eher nichts zu tun.
Ich glaube nicht, dass der spanische Staat am Zustand viel ändern will oder überhaupt kann, ohne der Wirtschaft massiv zu schaden.
Saludos, Mike
Re: Tourismus und seine Folgen
Verfasst: Do 3. Sep 2026, 16:21
von Josefine
.
Wir sind und waren immer gerne als Tourist unterwegs.

Es bereichert unser Leben.

Ganz früher haben wir gezeltet, dann wurde ein Wohnwagen gemietet, danach die Ferienwohnung, dann das Hotel mit unterschiedlichen Sternen, und seit dem Rentenalter sind es überwiegend die Kreuzfahrten, die wir favorisieren und uns erfreuen.
Die Meyer-Werft in Papenburg baut weiterhin Kreuzfahrt-Schiffe und ist ein wichtiger Arbeitgeber für die Region.

Re: Tourismus und seine Folgen
Verfasst: Do 3. Sep 2026, 17:47
von vitalista
Na ja, auch wenn in unserer Region der Massentourismus noch nicht so extrem ausgeprägt ist, dass die Menschen in Palma, Barcelona oder Madrid auf die Barrikaden gehen, ist doch mehr als verständlich.
Bei uns im Süden beobachte ich die Entwicklung in Torrevieja. Da wird gebaut 'auf Deubel komm raus'. So sollte und kann es nicht weitergehen.
Dahingehend kann ich die Petition schon unterstützen.
Und dass nur im Juli 2026 mehr als 2,34 Millionen Passagiere gelandet sind, ist auch nicht nur von Vorteil.
(Quelle:
https://spanienpress.com/die-costa-blan ... rekord-zu/)
Damit die Nutzung von Privatfahrzeugen eingeschränkt werden kann, muss was die öffentlichen Verkehrsmittel betrifft noch so viel geschehen, dass ich das vermutlich nicht mehr erleben werde.
Ja - Tourismus ist wichtig.
Aber immer weiter, höher, schneller wird zu echten Problemen führen.
Re: Tourismus und seine Folgen
Verfasst: Do 3. Sep 2026, 21:11
von Frambuesa
vitalista hat geschrieben: Do 3. Sep 2026, 17:47
. . . dass die Menschen in Palma, Barcelona oder Madrid auf die Barrikaden gehen, ist doch mehr als verständlich.
. . . Ja - Tourismus ist wichtig.
Aber immer weiter, höher, schneller wird zu echten Problemen führen.
Ich bin da in Allem ganz bei Vitalista.
Persönlich machen wir um touristische Hotspots meist einen Riesenbogen.
Re: Tourismus und seine Folgen
Verfasst: Do 3. Sep 2026, 21:20
von villa
So jetzt hatte ich Zeit das mal alles zu lesen.
Das eine ist Forderungen zu stellen das andere Lösungen zu finden. In Calpe erleben wir den Bauwahn ja auch. Ich frage mich aber jeweils wo den eigentlich das ganze Abwasser landet, denn Kläranlagen werden nicht im gleichen Mass gebaut.
Zudem sollte man nicht vergessen dass es ja auch eine beträchtliche Menge an Inlandtouristen gibt.
Hätten diese Entwicklungen einen realen Preis für: Ausbau der Infrastruktur, Abwasser, Pflege der Natur und Umwelt etc. würden vielleicht auch weniger Leute kommen.
Warum erhebt Spanien keine Touristensteuer? Ich weiss es jetzt nicht so genau aber in der Schweiz wird fast überall wo es Touristen gibt auch eine entsprechende Abgabe kassiert. Oft auch kombiniert mit Gratis Zugang zum lokalen Öffentlichen Verkehr... klar den müsste es in Spanien erst geben.
Genau hier sehe ich aber auch einen Teil der Lösung. Ich bleib mal in Calpe, da gibt es zwar ein paar Buslinien aber das beschränkt sich auf das Stadtgebiet. Gäbe es vernünftige Angebote würde sich sicher mancher den Parkplatz Stress ersparen und diese nutzen und die Lokale Bevölkerung könnte dabei auch noch profitieren.
Ich finde das ewige Klagen nicht sehr sinnvoll, besser wäre es sich mit Lösungen zu befassen und diese um zu setzen. Da denke ich gibt es noch viel Luft nach oben.
Re: Tourismus und seine Folgen
Verfasst: Do 3. Sep 2026, 22:22
von Josefine
villa hat geschrieben: Do 3. Sep 2026, 21:20
Zudem sollte man nicht vergessen dass es ja auch eine beträchtliche Menge an
Inlandtouristen gibt.
Das ist wohl auch der Fall: Sehr viele Spanier im Inland, wie z.B. Madrid, haben Ferienwohnungen z.B. in Torrevieja. Kann man ja auch verstehen, daß sie den Sommer nicht bei 40 Grad erleben wollen, sondern an ihrem Zweitwohnsitz an den Küsten die heißeste Zeit des Jahres verbringen.
DIes sagt die KI dazu:
Das Konzept der Zweitwohnung für den Sommerurlaub ist in der spanischen Kultur fest verankert. Klassische Ziele für Inlandsspanier sind unter anderem die Costa Blanca (Alicante), die Costa del Sol oder die Küsten Galiciens (wie Sanxenxo).
Wir waren Anfang August in Torrevieja wegen meiner Führerscheinverlängerung. Der Ort war gut besucht, aber man hörte eigentlich nur die spanische Sprache.
Re: Tourismus und seine Folgen
Verfasst: Fr 4. Sep 2026, 09:46
von chris
Zum Thema Touristensteuer, die gibt es in Spanien durchaus, allerdings nicht in der Comunidad Valenciana. Eine Einführung war geplant, wurde aber (wohl nach der letzten Wahl mit Änderung der Machtverhältnisse) zurück genommen.
Und wenn man wirklich irgendwo ansetzen möchte, dann bitte erstens an der Quelle (wo jemand etwas kauft, muss erst einmal jemand etwas verkaufen). Der Zorn sollte sich also in erster Linie gegen die Einheimischen richten, die seit Jahrzehnten das Tafelsilber verscherbeln, und gegen die Politiker, die dafür die Voraussetzungen geschaffen haben.
Und zweitens ist dort zu agieren, wo es noch möglich ist. Ein zugebauter Küstenstreifen ist und bleibt zugebaut, der Schaden ist angerichtet und die Maschinerie generiert Geld und Wohlstand für die Einheimischen. Statt völlig aussichtslos Renaturierung zu fordern, sollte man sich dafür einsetzen, dass zum Beispiel das Reinigungspersonal vernünftig bezahlt wird.
Greenpeace sollte sich für die Natur stark machen anstatt Menschen gegeneinander aufzuhetzen und stereotype Feindbilder zu generieren. Und eine Prise Realitätssinn wäre angebracht. Die grüne Welt, wo jeder in einem Nullenergie-Haus in der Vorstadt mit eigener PV-Anlage auf dem Carport voller E-Autos und Fahrräder wohnt und sich von Luft und Liebe ernährt, die kann man sich beim Weihnachtsmann wünschen, aber im wahren Leben sollten erwachsene Menschen ihre Forderungen realistischer stellen.
Re: Tourismus und seine Folgen
Verfasst: Fr 4. Sep 2026, 09:55
von Kiebitz
Hier ist eine KI Zusammenfassung des Artikels von Greenpeace Spanien („Basta de turismo depredador. No a la turistificación de nuestros entornos“):
Kernbotschaft
Greenpeace fordert ein Ende des massenhaften und rücksichtslosen Tourismus („Turismo depredador“ / Turistifizierung). Das aktuelle Modell gefährde das Wohlbefinden der Anwohner, die Naturräume und langfristig auch die Nachhaltigkeit des Tourismus selbst.
1. Was ist das Problem?
* Massentourismus & Überlastung: Die Tourismusbranche und Behörden versuchen, immer mehr Menschen in dieselben Regionen zu drängen, was Städte und Natur an den Rand des sozialen und ökologischen Kollapses bringt.
* Verdrängung von Anwohnern: In Städten und Küstenorten (wie Barcelona, Palma, Madrid, Málaga, San Sebastián usw.) führt der Boom an Ferienwohnungen dazu, dass Einheimische aus ihrem Wohnraum verdrängt werden.
* Umweltschäden & Ressourcenverbrauch: Küsten- und Naturschutzgebiete werden zubetoniert. Zudem führt der hohe Wasserverbrauch für Swimmingpools, Golfplätze und Hotelanlagen in von Dürre betroffenen Regionen zu gravierenden Problemen.
2. Die Forderungen von Greenpeace
Greenpeace setzt sich für ein nachhaltiges Tourismusmodell ein, das Mensch und Natur schützt, und fordert unter anderem:
* Wohnraum schützen: Reduzierung von Ferienwohnungen und Hotels, um bezahlbaren und würdigen Wohnraum für die lokale Bevölkerung zu sichern.
* Infrastruktur stoppen: Kein weiterer Ausbau von Flughäfen und Häfen, Abschaffung von Kurzstreckenflügen und Privatjets sowie Einschränkungen für Kreuzfahrtschiffe.
* Naturschutz & Zugangskontrollen: Begrenzung der Besucherzahlen in stark frequentierten Natur- und Schutzgebieten sowie Renaturierung verbauter Küstenstreifen.
* Wasserverbrauch priorisieren: Vorrang für die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung gegenüber touristischer Nutzung.
* Wirtschaft diversifizieren: Förderung anderer Wirtschaftszweige in den Küstenregionen, um die Monokultur des Tourismus aufzubrechen.