Besuch einer katholischen Messe in Spanien
Verfasst: So 25. Jul 2010, 12:01
-so ganz anders als in Deutschland
Gestern sind wir zur Vorabendmesse in die kleine Kirche unseres Dorfes gegangen. Unspektakulär steht sie mitten im Ort, eingekeilt zwischen schmucklosen spanischen Wohnhäusern. Die Pracht des Gotteshauses erschließt sich dem Besucher erst, wenn er Kirche betritt.
Eine Familie die ausgewandert ist und es „zu etwas gebracht“ hat, hatte vor vielen Jahren eine Menge Geld gespendet, damit ihre Heimatkirche restauriert werden konnte. Wir waren etwas früher da. In der Sakristei sprangen Kinder herum, sie fühlten sich offensichtlich wie zu Hause, fast hätte man sagen können, „sie sprangen über (Tisch und) Bänke“, die Erwachsenen hielten unterdessen ein Pläuschchen mit ihren Nachbarn, andere hatten sich zurückgezogen und beteten still. Die Fächer der Damen waren trotz eingeschalteter Ventilatoren ohne Pause im Einsatz und raschelten in der Luft - Szenen fast wie im Wohnzimmer. Diese Unruhe in einer deutschen Kirche? Für mich unvorstellbar. Ich war gespannt, ob die sich zu Messebeginn legen würde - ich hegte da so meine Zweifel…
Ich fragte also, kaum neugierig, meine Banknachbarin, ob der Pastor denn nichts gegen diesen Trubel im Gotteshaus hätte. „Oh nein“, entgegnete sie. Er liebe Kinder und beziehe sie ganz selbstverständlich in den Ablauf der Messe mit ein. Ihm sei der Rummel nicht zuviel und ein strenges Regiment würde die Kinder nicht zum Gottesdienst locken.
Nach all den Skandalen, die in letzter Zeit bekannt geworden sind, aber auch angeregt durch unsere Diskussion Missbrauch in der Kirche, schaut man dann schon mal genauer hin, doch die Kinder spielten völlig unbefangen um den Pastor herum, der sich in seinen Vorbereitungen überhaupt nicht durch sie stören ließ, während die quasselnden Messdienerinnen mit den liturgischen Gefäßen klapperten, was den Geräuschpegel keinesfalls senkte - eine völlig unbefangene und entspannte Atmosphäre. Dann begann die Messe. Die Ministrantinnen nahmen neben dem Altar Platz. Die vier Mädchen trugen in der Hitze luftige Sommerkleidchen, während sich der arme Pfarrer unter seinem vielschichtigen liturgischen Gewand wie in einer Sauna vorkommen musste.
Eine alte Frau aus der Gemeinde hielt eine Lesung über das dörfliche Leben und stimmte zwischendurch immer wieder einen Gesang an, der von der Gemeinde wiederholt wurde. Muss ich erwähnen, dass es inzwischen mucksmäuschenstill in der Kirche war? Die Kinder saßen locker, teilweise im Schneidersitz, auf den Kirchenbänken, die Kleinen auf den Schößen ihrer Mütter und hörten gespannt der fesselnde Messe des Pastors zu und gaben keinen Laut mehr von sich. Unglaublich, wenn ich es nicht selbst erlebt hätte. Das lag natürlich auch am Pfarrer, der seine Zuhörer nicht nur mit seiner Predigt, sondern auch mit seiner Mimik und Körpersprache zu fesseln verstand. Sein Einsatz blieb nicht ohne Folgen: Die Zuhörer litten stumm mit, wenn sie sich den Armen unter seinem dicken Talar betrachteten. Oft nahm er seine Brille ab und wischte sich über das schweißnasse Gesicht, warf das Taschentuch dann im hohen Bogen auf den Altar und holte es sich von dort bei Bedarf wieder, ohne auch nur einmal seine mitreißende Predigt zu unterbrechen. Bei der Eucharistiefeier zählte ich ungefähr 60 Personen. Für einen kleinen Ort mit 150 Einwohnern ein sehr guter Besuch, auch wenn es der Eröffnungsgottesdienst der diesjährigen Patronatsfeier war. Der „normale“ Gottesdienst wird im Durchschnitt von 20 Gläubigen besucht.
Ich bin keine Katholikin und kenne mich nicht mit der Liturgie, schon gar nicht mit der spanischen, aus. Trotzdem wurde es mir von den Anwesenden leicht gemacht, locker und entspannt an diesem Gottesdienst teilzunehmen, obwohl ich weder mitbeten noch mitsingen konnte, da mir die Texte unbekannt waren. Bisher war ich nur bei festlichen Anlässen in der Kirche. Ich kann also nicht sagen, ob diese Messe nun typisch spanisch war oder eher die berühmte Ausnahme. Habt jemand von euch eigene Erfahrungen machen können?
Gestern sind wir zur Vorabendmesse in die kleine Kirche unseres Dorfes gegangen. Unspektakulär steht sie mitten im Ort, eingekeilt zwischen schmucklosen spanischen Wohnhäusern. Die Pracht des Gotteshauses erschließt sich dem Besucher erst, wenn er Kirche betritt.
Eine Familie die ausgewandert ist und es „zu etwas gebracht“ hat, hatte vor vielen Jahren eine Menge Geld gespendet, damit ihre Heimatkirche restauriert werden konnte. Wir waren etwas früher da. In der Sakristei sprangen Kinder herum, sie fühlten sich offensichtlich wie zu Hause, fast hätte man sagen können, „sie sprangen über (Tisch und) Bänke“, die Erwachsenen hielten unterdessen ein Pläuschchen mit ihren Nachbarn, andere hatten sich zurückgezogen und beteten still. Die Fächer der Damen waren trotz eingeschalteter Ventilatoren ohne Pause im Einsatz und raschelten in der Luft - Szenen fast wie im Wohnzimmer. Diese Unruhe in einer deutschen Kirche? Für mich unvorstellbar. Ich war gespannt, ob die sich zu Messebeginn legen würde - ich hegte da so meine Zweifel…
Ich fragte also, kaum neugierig, meine Banknachbarin, ob der Pastor denn nichts gegen diesen Trubel im Gotteshaus hätte. „Oh nein“, entgegnete sie. Er liebe Kinder und beziehe sie ganz selbstverständlich in den Ablauf der Messe mit ein. Ihm sei der Rummel nicht zuviel und ein strenges Regiment würde die Kinder nicht zum Gottesdienst locken.
Nach all den Skandalen, die in letzter Zeit bekannt geworden sind, aber auch angeregt durch unsere Diskussion Missbrauch in der Kirche, schaut man dann schon mal genauer hin, doch die Kinder spielten völlig unbefangen um den Pastor herum, der sich in seinen Vorbereitungen überhaupt nicht durch sie stören ließ, während die quasselnden Messdienerinnen mit den liturgischen Gefäßen klapperten, was den Geräuschpegel keinesfalls senkte - eine völlig unbefangene und entspannte Atmosphäre. Dann begann die Messe. Die Ministrantinnen nahmen neben dem Altar Platz. Die vier Mädchen trugen in der Hitze luftige Sommerkleidchen, während sich der arme Pfarrer unter seinem vielschichtigen liturgischen Gewand wie in einer Sauna vorkommen musste.
Eine alte Frau aus der Gemeinde hielt eine Lesung über das dörfliche Leben und stimmte zwischendurch immer wieder einen Gesang an, der von der Gemeinde wiederholt wurde. Muss ich erwähnen, dass es inzwischen mucksmäuschenstill in der Kirche war? Die Kinder saßen locker, teilweise im Schneidersitz, auf den Kirchenbänken, die Kleinen auf den Schößen ihrer Mütter und hörten gespannt der fesselnde Messe des Pastors zu und gaben keinen Laut mehr von sich. Unglaublich, wenn ich es nicht selbst erlebt hätte. Das lag natürlich auch am Pfarrer, der seine Zuhörer nicht nur mit seiner Predigt, sondern auch mit seiner Mimik und Körpersprache zu fesseln verstand. Sein Einsatz blieb nicht ohne Folgen: Die Zuhörer litten stumm mit, wenn sie sich den Armen unter seinem dicken Talar betrachteten. Oft nahm er seine Brille ab und wischte sich über das schweißnasse Gesicht, warf das Taschentuch dann im hohen Bogen auf den Altar und holte es sich von dort bei Bedarf wieder, ohne auch nur einmal seine mitreißende Predigt zu unterbrechen. Bei der Eucharistiefeier zählte ich ungefähr 60 Personen. Für einen kleinen Ort mit 150 Einwohnern ein sehr guter Besuch, auch wenn es der Eröffnungsgottesdienst der diesjährigen Patronatsfeier war. Der „normale“ Gottesdienst wird im Durchschnitt von 20 Gläubigen besucht.
Ich bin keine Katholikin und kenne mich nicht mit der Liturgie, schon gar nicht mit der spanischen, aus. Trotzdem wurde es mir von den Anwesenden leicht gemacht, locker und entspannt an diesem Gottesdienst teilzunehmen, obwohl ich weder mitbeten noch mitsingen konnte, da mir die Texte unbekannt waren. Bisher war ich nur bei festlichen Anlässen in der Kirche. Ich kann also nicht sagen, ob diese Messe nun typisch spanisch war oder eher die berühmte Ausnahme. Habt jemand von euch eigene Erfahrungen machen können?