Bargeld-Ende in Sicht EU?-Geldwäscheverordnung 2027

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Oliva B.
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Bargeld-Ende in Sicht EU?-Geldwäscheverordnung 2027

Beitrag von Oliva B. »

Die Art zu bezahlen hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Karten und Smartphones dominieren inzwischen den Alltag.
Aber nicht für die Bequemlichkeit der Bürger hat die EU hat beschlossen, ab 2027 eine einheitliche Obergrenze von 10.000 € für Barzahlungen im geschäftlichen Bereich einzuführen, sondern um, Geldwäsche, Terrorfinanzierung und Steuerbetrug zu bekämpfen, da Bargeld – im Gegensatz zu Kartenzahlungen – kaum nachvollziehbare Spuren hinterlässt.


Ein interessanter Blick auf Spanien:
Hier gilt schon heute eine deutlich strengere Regel. Barzahlungen über 1.000 € zwischen Unternehmern und Kunden sind bereits verboten. Spanien liegt damit weit unter der neuen EU-Grenze.
Die Grenze gilt aber ausdrücklich nur für geschäftliche Transaktionen. Privatpersonen dürfen sich weiterhin gegenseitig größere Beträge bar geben, und auch mehr als 10.000 Euro Bargeld zu besitzen bleibt erlaubt.
Quelle

Das wirft einige Fragen auf:
  • Wenn Spanien schon seit Jahren eine 1.000-€-Grenze hat – hat das wirklich messbar Steuerbetrug reduziert?
  • Oder trifft es vor allem kleine Händler, Handwerker und Privatleute, die größere Beträge lieber bar bezahlen?
  • Und ist die EU-Grenze von 10.000 € wirklich ein wirksames Mittel gegen Geldwäsche – oder eher ein symbolischer Schritt Richtung weniger Bargeld?
Was denkt ihr?
Ist das nur eine notwendige Maßnahme gegen Kriminalität oder schleichende Einschränkung der Bargeldfreiheit?
Bleibt Bargeld nicht für viele Menschen ein Stück Privatsphäre/Freiheit und Kontrolle über das eigene Geld?

Ich finde es auf jeden Fall interessant, wie emotional das Thema Bargeld immer wieder oder immer noch diskutiert wird und bin gespannt, ob die Regelung tatsächlich viel verändert.
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vitalista
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Re: Bargeld-Ende in Sicht EU?-Geldwäscheverordnung 2027

Beitrag von vitalista »

Meine Erfahrungen zu Bargeld versus Bargeldlos:

Als ich vor über 20 Jahren ein Haus verkaufte, bekam ich beim Notar 150.000€ in bar in die Hand gedrückt. Aus Angst direkt vorm Notar überfallen zu werden (es hieß, es gibt Banden, die darauf spezialisiert sind) nähte ich mir aus einem Geschirrtuch eine übergroße Bauchtasche und verließ das Notargebäude "als Schwangere" ;)
Dann wollte ich das Geld ganz schnell auf mein Konto einzahlen, doch bei der Deutschen Bank angekommen hieß es, das ist nicht möglich, wir dürfen täglich nur (ich glaube es waren) 10.000€
annehmen wegen des Geldwäsche-Gesetzes. Auf mein: Aber ich habe mein Haus verkauft!! zuckte man nur mit den Schultern und meinte: tut uns leid.
Ich sagte daraufhin, ich bleibe jetzt so lange hier in der Bank stehen, und wenn es über Nacht ist, bis sie mir das Geld abgenommen haben. Nach ca. 5-10 minütiger Beratung teilte man mir mit, ich könne das Geld dort lassen, sie würden mir dann täglich 10.000€ auf einem Konto gutschreiben. Als ich zwei Tage später einen Kontoauszug holte, war noch am selben Tag eine Gutschrift über 150.000€ erfolgt. Das ganze war sehr nervenaufreibend für mich, aber es klappte.

Als ich dann etwas später ein anderes Haus kaufen wollte, akzeptierte der Verkäufer nur bargeldlose Zahlung per Scheck. Der blöde Scheck kostete mich knapp 400€. Ich fragte mich, mit welcher Berechtigung dürfen die für ein Blatt Papier so viel Geld nehmen. Es war keinerlei Bankbürgschaft nötig, das Geld lag auf meinem Konto.

Mein Fazit:
Bargeldlos ist praktisch - ABER - man ist dann auch den Bedingungen der Bank ausgeliefert.
Ich zahle häufig bargeldlos aber ich möchte die freie Wahl haben, wie ich zahlen will. Ich möchte entscheiden können, ob jemand z.B. nachvollziehen kann, wieviel Schokolade oder Zigaretten oder wie oft ich neue Schuhe kaufe.

Was die Geldwäsche betrifft, ich denke, das Gesetz hilft eventuell gegen die Kleinen vorzugehen, die dicken Fische finden ihre Schlupflöcher, um das zu umgehen.

Hohe Beträge bezahle ich allein aus Sicherheitsgründen bargeldlos. Ich würde mir in den Allerwertesten beißen, wenn bei mir jemand einbrechen sollte und er dann auch noch in den Besitz hoher Bargeldsummen käme.
Wer morgens zerknittert aufsteht, hat tagsüber noch Entfaltungsmöglichkeiten!
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chris
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Re: Bargeld-Ende in Sicht EU?-Geldwäscheverordnung 2027

Beitrag von chris »

In Zeiten von Bitcoin und anderen digitalen Währungen, die kaum bis gar nicht nachverfolgbar sind, ist es meiner Meinung nach nur lächerlich, wenn man behauptet, der kleine Wutbürger würde mit bar gezahlten Einkäufen über 1000 Euro den internationalen Terror finanzieren und/oder Geld waschen.

Die Verlogenheit ist der Part, der mich abstößt, stattdessen sollte die EU bzw der spanische Staat mit den Bürgern Klartext reden: "Wir wollen jeden Cent nachverfolgen, damit jeder das Maximale an Steuern zahlt, und die Banken, denen wir dort hinein kriechen, wo die Sonne niemals scheint, möchten ihre Kosten reduzieren (Bargeldtransporte und -aufbewahrung sind teuer) und an jeder Transaktion auch noch ein paar Prozent mitverdienen, was mit Bargeld nicht möglich ist. Warum multinationale Unternehmen weiterhin ihren Sitz in Steueroasen haben dürfen, oder warum ein gewisser Architekt an Autodesk spanische MwSt abführen muss, die er sich nicht zurückholen kann, weil Autodesk eine Adresse und Steuernummer in Irland hat, dazu möchten wir keine Stellung nehmen, weil es dafür keine Rechtfertigungsgründe gibt, und es einfach eine riesengroße Sauerei ist, wie wir mit den Bürgern umspringen."

Und natürlich muss man wieder einmal kein Aluhut-Träger sein, um in Zeiten von immer mehr automatisierter KI-Daten-Auswertung zu hinterfragen, inwiefern es vertretbar ist, dass auf meinem Smartphone jede Art von Daten vorhanden sind und kombiniert werden können: gekaufte Artikel, besuchte Internetseiten, bargeldlose Zahlungen, Aufenthaltsorte und -zeit, besuchte Geschäfte, Art der Fortbewegung, inaktive und aktive Tageszeiten, Kontakte, Art der Apps und deren Nutzung, Standortabfragen in Maps.....

Auch wenn die Zahlung ohne Bargeld nur ein Teil dieses Datenhaufens sind, so ist es doch ein entscheidender Schritt zur totalen Kontrolle bei Bedarf. Ich bin nicht so egozentrisch, dass ich mir einbilden würde, jemand außer Google (in seiner Steueroase) hätte ernsthaft Interesse daran, diese auszuwerten, aber das kann sich ja irgendwann einmal ändern, und dann ist man tatsächlich nackter als nackt.
Saludos,
Chris
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hundetraudl
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Re: Bargeld-Ende in Sicht EU?-Geldwäscheverordnung 2027

Beitrag von hundetraudl »

Abschaffung von Bargeld gilt - meiner Meinung nach - nur zur Kontrolle. In vielen Jahren geht es uns wie den Chinesen. Wenn man nicht brav ist, wird das Konto gesperrt und man kann nichts mehr kaufen.
Bei jedem neuen Mitglied unserer Firma wird nachgefragt " sind Sie in einer Partei? wenn ja in welcher und welche Funktion? Haben Sie im Ausland ein Konto, wenn ja wo?
Ausweis muss gescannt werden. Ich muss beantworten, ob bei dem Mandanten ein Risiko von Geldwäsche besteht. Dies muss der Kunde und ich unterschreiben, obwohl ich keine Ahnung habe, ob die Angaben des Kunden stimmen.
Die Kontrolle der Kleinen wird immer schlimmer, die großen Firmen erwischt der Staat sowieso nicht. Ich möchte selbst entscheiden ob ich Bar oder bargeldlos bezahlen möchte.
Zuletzt geändert von hundetraudl am Di 10. Mär 2026, 14:20, insgesamt 1-mal geändert.
Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt. (Ringelnatz)
Julekeil
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Re: Bargeld-Ende in Sicht EU?-Geldwäscheverordnung 2027

Beitrag von Julekeil »

chris hat geschrieben: Di 10. Mär 2026, 13:43 ..., oder warum ein gewisser Architekt an Autodesk spanische MwSt abführen muss, die er sich nicht zurückholen kann, weil Autodesk eine Adresse und Steuernummer in Irland hat, ...
Hola,

gibt es in Spanien nicht auch das Europäische Reverse Charge Verfahren (Inversión del sujeto pasivo)?

Saludos
Sabine
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Beefeater
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Re: Bargeld-Ende in Sicht EU?-Geldwäscheverordnung 2027

Beitrag von Beefeater »

Ich kopiere mal einen meiner Kommentare aus 2025 hier hinein...

Das war mein erster "Kulturschock" nach meiner Ankunft 2022, als ich im Leroy Merlin Anfang 2023 meine 36 PV Kollektoren in Bar bezahlen wollte. Damals immerhin noch zusammen 9500€. Ich legte den Kassiererinnen nen Stapel 500€ Scheine auf die Theke und dann dachte ich,
ich hätte den spanischen König beleidigt oder wäre auf einer internationalen Fahndungsliste.


Aufgerissene Augen, Totenstille und dann heftiger Aktionismus :-s
5 Kassiererinnen hörten auf zu kassieren und starrten nur noch auf die Geldscheine... Ist der Irre?
Das Sicherheitspersonal wurde gerufen, umstellte mich quasi, der Geschäftsführer kam angerannt und alle waren ganz aufgeregt.
Ich musste dann eine Erklärung fürs Finanzamt ausfüllen und unterschreiben, nur um meine Kollektoren bezahlen zu können #:-s
Das Ganze zog sich sicher 1 1/2 Stunden hin.

Später beim Obramart ähnlich, der Wagen war hoch voll und es kamen 1400€ zusammen.
Davon durfte ich auch nur 950€ bar und den Rest mit Karte zahlen.

Ein wenig dystopisch ist das schon. Big Brother Feeling inklusive.

Nun habe ich das ganze Schwarzgeld ausgegeben und muss Neues von der Bank holen... :mrgreen:

Saludos Mike
... Et het noch emmer joot jejange
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baufred
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Re: Bargeld-Ende in Sicht EU?-Geldwäscheverordnung 2027

Beitrag von baufred »

>> zum Thema :idea: >> TB 'Bargeldverbot', FBV-Verlag (2015) ...

... 'fächert' alle möglichen Begründungen und deren Auslöser sowie geplante Effekte aus fast allen Perspektiven auf #:-s ...

>> 'Willkommen in der Zukunft' ... schaut euch mal das mögliche Endergebnis im SF-Film 'Das Netz' > 1995 !! mit Sandra Bullock an ... in dieser total digital gesteuerten Zukunft möchte keiner Leben = modernes digitales Sklaventum :(( ...
Saludos -- baufred --
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Re: Bargeld-Ende in Sicht EU?-Geldwäscheverordnung 2027

Beitrag von Josefine »

.
Hat aber auch einen Vorteil: die Enkeltrick-Masche mit dem Bargeld-Abholen funktioniert dann wohl nicht mehr.
Alte Leute werden durch diese Bargeld-Regelung geschützt.

Mir persönlich ist es egal mit der Bargeld-Regelung. Wir bezahlen eh fast alles mit Karte. Lediglich in den Bars mit Geld + Trinkgeld.
Wir sehen zu, daß wir um die 500 EUR daheim haben, falls mal der Strom im Viertel, Stadt oder im ganzen Land ausfällt. Ist ja schon passiert.
Dann kann man seine Lebensmittel noch mit Bargeld bezahlen.

Gläsern sind wir als Residenten beim spanischen Finanzamt sowieso.
Alle Einkünfte und Bankguthaben incl. der Zinsen in Deutschland werden durch die CRS-Meldung der spanischen Finanzbehörde 1x jährlich gemeldet.
Zinseinkünfte in Spanien werde schon automatisch in die jährliche Steuererklärung eingepflegt.
Gruß Josefine :)
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chris
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Re: Bargeld-Ende in Sicht EU?-Geldwäscheverordnung 2027

Beitrag von chris »

Julekeil hat geschrieben: Di 10. Mär 2026, 14:19 gibt es in Spanien nicht auch das Europäische Reverse Charge Verfahren (Inversión del sujeto pasivo)?
Ich müsste mich als international handelnder Autónomo registrieren, damit ich solche Dinge von der Steuer absetzen kann, incl neuer Formulare, also schlucke ich notgedrungen diese Kröte, finde es aber absolut unmöglich, dass ein Unternehmen irgendwo im Ausland sitzt, selbst kaum Steuern zahlt und mir dann 21% IVA abknöpft, die ja irgendwie beim spanischen Staat landen, und mir dieser die Herausgabe verweigert, weil das Unternehmen keine spanische NIF hat.
Saludos,
Chris
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chris
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Re: Bargeld-Ende in Sicht EU?-Geldwäscheverordnung 2027

Beitrag von chris »

Josefine hat geschrieben: Di 10. Mär 2026, 15:12 Hat aber auch einen Vorteil: die Enkeltrick-Masche mit dem Bargeld-Abholen funktioniert dann wohl nicht mehr.
Alte Leute werden durch diese Bargeld-Regelung geschützt.
Nicht wirklich, die gehen dann erst zur Bank und holen die Ersparnisse.
Oder sie geben den Betrügern die EC-Karte plus PIN.
Oder die Betrüger nehmen Gold und Juwelen.
Saludos,
Chris
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