All diese schönen Erinnerungen trage ich nun für uns persönlich zusammen. Einige davon möchte ich gern auch mit euch teilen und hoffe, sie mögen euch ein wenig gefallen.
Doch zunächst ein paar Worte vorweg:
Jefe war schon Ende der 80er-Jahre mit dem Wohnmobil unterwegs; ich kam erst später auf den „Geschmack“. Auf Camping- oder Stellplätzen sah man uns allerdings nur äußerst selten. Wir liebten es, über Landstraßen von Dorf zu Dorf, von Stadt zu Stadt zu fahren und so Land und Leute abseits der üblichen Reiserouten kennenzulernen. Dabei gab es unzählige freundliche und herzliche Begegnungen, die einen bleibenden Eindruck hinterließen.
Vieles hat sich im Laufe der Jahre verändert. Die Zahl der Wohnmobilisten ist – vor allem nach Corona – deutlich gestiegen, und damit hat sich auch das Miteinander unterwegs an manchen Orten verändert. Umso wichtiger war und ist uns der Respekt vor den Bewohnern, ihrer Lebensart und ihren Gesetzen – auch den ungeschriebenen.
Überall dort, wo wir – egal, ob nur für eine Nacht oder für ein paar Tage – bleiben wollten, haben wir meist entweder bei den Anwohnern oder bei den örtlichen Behörden um Erlaubnis gefragt. Manchmal haben wir sogar die Guardia Civil gefragt, wo wir beispielsweise für eine Nacht stehen konnten. Diese Rücksichtnahme hat uns viele schöne Begegnungen ermöglicht und dazu beigetragen, dass wir uns an den unterschiedlichsten Orten willkommen fühlten.
Und noch eine Erklärung vorweg: Unser kleines Wohnmobil (Kastenwagen) war dank zweier starker Batterien, unserer Efoy-Brennstoffzelle und einer Trockentoilette völlig autark.
Damit soll es aber auch mit den einleitenden Worten genug sein.
Ach ja, bevor ich es vergesse - wir haben natürlich ein paar Mitreisende an Bord.
Da wäre zunächst Horschtel, der sich als Jeffes rechte Hand sehr wichtig nimmt und für den es nur eines gibt: Fahren, fahren, fahren

Der dicke, freche Theo, dat Angstbüxliesel und Pepe, der kleine pfiffige andalusische Nachkomme, sorgen dafür, dass stets Stimmung „inne Bude“ ist.
Mystisches Galicien - eine unheimliche Wegekreuzung
Wir waren auf dem Weg von Santiago de Compostela quer durchs Land in Richtung Salamanca und freuten uns darüber, wie das Navi uns durch kleine Dörfer und fernab der Hauptstraßen führte. Am vorgerückten Nachmittag führte unser Weg mal wieder durch ein zusammenhängendes Waldstück. Irgendwann hatten wir allerdings den Eindruck, dass wir uns scheinbar nicht ganz an die Anweisungen des Navis gehalten hatten. Macht nix, irgendwo würden wir schon wieder auskommen und unser elektronischer Routenführer uns schon zurück auf den richtigen Pfad bringen, dachten wir.
Wir hielten an einer Lichtung, weil Madame meinte, eine Pause zu brauchen. Beim Aussteigen bemerkten wir einen extrem starken, modrigen Geruch und – ich kann es nicht anders beschreiben – mir stellten sich die Nackenhaare auf!
Es war regelrecht unheimlich an diesem Platz, und selbst Jefe war es nicht ganz geheuer. Wir sind wahrlich keine ängstlichen Typen, aber hier herrschte eine merkwürdige Atmosphäre. Nun ja, wir befanden uns ja immer noch in Galicien, und da schwirrt es nur so von gruseligen Geschichten, keltischen Mythen und Hexen. Ob das hier vielleicht auch so ein alter, magischer Ort war, der noch heute seine Wirkung entfaltete?
Auf der einen Seite stand ein uraltes, großes Kreuz, auf der anderen eine alte Steinkapelle, die allerdings verschlossen war. An welch einem mystischen Ort mochten wir wohl gelandet sein?

Da es auch Jefe an diesem Ort nicht so ganz geheuer war, haben wir ziemlich schnell „die Kurve gekratzt“.
Wochen später begegneten mir dann einige Legenden des mystischen Galiciens. Bis heute erzählen sich die Menschen dort von der gefürchteten „Santa Compaña“.
Wer ihr begegnet – der Prozession in Leichentücher gehüllter Seelen Verstorbener –, dem drohen Tod oder zumindest schweres Unheil, heißt es in den alten Geschichten. Die Santa Compaña sei stets nach Mitternacht unterwegs und meistens in der Nacht zu Allerheiligen.
Wann waren wir eigentlich an diesem merkwürdigen Ort? Jefe grinste vor sich hin, als ich meine Gedanken so ungefiltert in den Raum stellte. Ach ja – es waren ja nur ein paar Tage nach Halloween.
Diese mystische Stelle befindet sich hier: 42°43'00.01"N 8°36'02.14"W und trägt den Namen „Cruceiro de San Huberto de Barcala“
Bei meinen weiteren Streifzügen durch die Tiefen des Internets habe ich noch herausgefunden, dass das Kreuz auf 1692 datiert wird und die Kapelle ursprünglich San Xoán geweiht war und auf dem nahegelegenen Monte Castro Valente gestanden haben soll. Später sei sie an ihren heutigen Platz versetzt worden und diene der Verehrung des San Huberto, wie man dann auch der verwitterten Tafel an der Kapelle entnehmen kann.

Das war nun das erste Abenteuer und ich hoffe, es hat euch ein wenig gefallen.
Übrigens, ein berühmtes Sprichwort in Galicien sagt: „Eu non creo nas meigas, pero habelas, hainas" - Ich glaube nicht an Hexen, aber dass es sie gibt, steht außer Frage
So, und nun mache ich mich für heute „vom Acker“




