Longsheng, Guilin, Kunming
Eine Boeing 737 der schon bekannten China Southern bringt uns in nur 45 Minuten von Guangzhou nach Guilin, beim Landeanflug sehen wir gigantische neue Autobahn- und Schnellzugtrassen. Dort erwartet uns „Emily“ mit ihrem Fahrer, das Fahrzeug ist das gleiche wie zuvor, ein dunkler Buick Van. Darin wartet schon wieder ein riesiges Lunchpaket, das noch mit 3 Dosen Tarochips und einer Kilopackung Erdnüssen verstärkt wurde.
Weltkulturerbe Longsheng
Die Fahrt geht in die nördliche Provinz, wir passieren auf 25° nördlicher Breite ausgedehnte Orangen- und Pomelohaine, dazwischen finden sich erste Reispaddies, deren trockene Halme jetzt im Winter von allerlei Getier abgegrast werden, bevor im Frühjahr wieder neu ausgesetzt wird. Bald geht es in die Berge, die Straße ist neu asphaltiert und hat nichts mehr mit dem schlaglöcherübersäten Feldweg zu tun, den wir beim Erstbesuch in einem alterschwachen Bus unter die Räder nehmen mussten. Dafür stauen sich überladene Lkw auf den steilen Serpentinen Richtung Longsheng, wo wir ein berühmtes chinesisches Weltkulturerbe, die 600 Meter hohen Reisterrassen sehen wollen. In den kleinen Ortschaften herrscht rege Bautätigkeit, es fährt kaum noch jemand mit dem Fahrrad und eine Maokluft – blauer Drillich mit Schiebermütze - haben wir nur ein einziges Mal an einem uralten Greis zu Gesicht bekommen, der Wandel mit seinen gewaltigen wirtschaftlichen Umwälzungen hat in den letzten 25 Jahren kaum etwas vom alten China übrig gelassen.
Nach zwei Stunden Fahrt für knapp 90 Kilometer ist die Straße plötzlich zu Ende, wir müssen raus aus dem bequemen Gefährt und eine 35-minütige Wanderung in Angriff nehmen, die uns ordentlich schnaufen lässt, weil es über holprige und steile Treppen stetig bergauf geht. Wenigstens müssen wir unsere zwei Bordcases - der Koffer bleibt im Tal, weil nur befördert wird, was in einen Tragekorb passt - nicht selber schleppen, das übernehmen zwei kräftige
Yao Frauen für jeweils Yüan 30 pro Gepäcksstück, also etwas mehr als sieben Euro. Sogar in einer Sänfte hätte man sich bergwärts tragen lassen können, das liebend Weib hat ob ihrer Fußfaulheit kurz damit spekuliert, dann aber doch weniger aus Geiz als aus Verlegenheit abgelehnt.
Endlich haben wir nach mehrmaligem Rasten und Luftholen zu unserem
Hotel Li An gefunden, das einem Amerikaner gehört, der kunstvolle Fotografien der Landschaften um Guilin angefertigt hat und von der zauberhaften Szenerie so beeindruckt war, dass er sich hier niedergelassen und auch gleich ein geschmackvoll eingerichtetes, kleines Hotel errichtet hat.
Von unserem Zimmer haben wir zwar einen prachtvollen Ausblick auf einen Teil der in steilstem Gelände angelegten, Jahrhunderte alten Terrassen, aber um den 360° Prachtblick auf das gesamte Tal genießen zu können, müssen wir noch einmal steile Treppen bis zum Gipfelplateau rauf, nach weiteren 15 Minuten haben wir es schließlich geschafft und werden vom unglaublichen Panorama für die Aufstiegsmühen reichlich entschädigt.

Beim Wiederabstieg zum Hotel schlackern schon ein wenig die Knie, aber wenigstens haben wir uns keinen Muskelkater eingefangen. In der off season sind wir die einzigen Gäste, für uns wird extra von einem vierköpfigen Damenteam gekocht, jede bereitet genau einen Gang zu. Nach einer Suppe gibt es für uns zwei knackige Gemüseteller aus dem Wok und zwei weitere mit Hühnerfleisch und etwas flachsigem Schweinefleisch, dazu Klebreis und gut gewürzte Saucen, ein Bier und zwei inkludierte Gläser vom roten „Great Wall Cabernet“ komplettieren das üppige Mahl für Yüan 150 (ca. € 21 pro Person, dann fallen wir ziemlich geschafft in die äußerst bequemen Betten.
Guilin
Zeitig früh geht es los, unsere beiden Trägerinnen vom Vortag warten schon auf uns. Bergab sind wir bald am Parkplatz, dann geht es die unzähligen Serpentinen wieder runter bis ins Tal, nach dreieinhalb Stunden Fahrt landen wir endlich am
Li Fluss in der Stadt
Yangxi. Hier besteigen wir nicht wie beim ersten Mal einen Dampfer für 100 Passagiere, sondern ein „Bambusfloß“ mit einem schwachen Außenborder für Flachgewässer, das jetzt aus pflegeleichtem Polyvinylchlorid besteht, mit zwei Sitzbänken für maximal vier Personen bestückt ist und wesentlich ruhiger im Wasser liegt. Wir knattern bei Traumwetter gemächlich mit maximal drei Knoten flussabwärts und genießen den Zauber dieser magischen Landschaft mit den typischen fantastisch geformten und bis zu den Gipfeln dicht bewaldeten Karstbergen. Haben wir zuletzt noch viele Kormoranfischer auf dem
Li gesehen, begegnet uns auf dieser zweistündigen Fahrt nur ein einziger: die spezielle Fangmethode für Flusswelse erledigen nämlich dressierte Kormorane, denen der Kragen künstlich verengt wird, sodass sie zwar kleine Fische schlucken können, die großen aber dem Herrchen abliefern müssen....



In
Yangzhou ist die Flussfahrt zu Ende, wir spazieren noch durch den Markt, bevor wir im etwas außerhalb gelegenen Yangzhou Resort untergebracht werden, das beste Zimmer dort hat einen Balkon mit Liegebetten und Blick auf den
Yang Fluss, eine riesige Wanne mitten im Raum und die härtesten Betten, die wir im Verlauf dieser Rundreise bisher hatten. Selbst meine erste chinesische Massage, die eine geschlagene Stunde dauerte und von den Augäpfeln bis zur Achillessehne fast alle Körperregionen einschloss, brachte wenig Linderung. Beim Abendessen dauert es eine Weile bis das für ein Fünfsternehaus eklatant sprachunkundige Personal mitbekommt, dass wir nicht zu einer Gruppe von Tagungsteilnehmern, die dort ihr Essen mittels Bon bekommen, gehören. Das führt dazu, dass wir statt eines ohnehin mit Fingertippen auf der Weinkarte georderten australischen Chardonnays einen Moscato bekommen, wieder muss die Weinkarte her und beim zweiten Anlauf klappt es endlich. Beim Frühstück am Morgen stellt sich der Eierkoch - diesmal habe ich meinen Wunsch schon gevift mit klaren Handzeichen begleitet - stur dagegen, mir ein Omelett mit den bereit stehenden Zutaten zu machen, er will lieber seine harten und ausgekühlten Spiegeleier loswerden, diesmal kapiert wenigstens der Manager meinen Wunsch und veranlasst die prompte Umsetzung.
das liebend Weib erhält Instruktionen zum Sojamahlen
die alten Leute am Land wohnen neben dem Sarg, in dem sie einmal ruhen werden
Auch in
Kunming, der Sieben-Millionen-Metropole der Südwestprovinz
Yünnan, in die wir am Nachmittag nach einer interessanten Fahrt durch viele kleine Dörfer wieder mit China Southern geflogen waren, ist im feudalen Green Lake Hotel zwar die Rezeption mit einem gut Englisch sprechenden jungen Mann besetzt, die Belegschaft inklusive Manager im japanischen Restaurant aber komplett blank und schon bei einfachsten Fragen beim Bestellen von Lachssashimi, Krabbenrolle und Tempuragarnelen total überfordert, es muss ein Mädchen aus einem anderen Restaurant geholt werden, um unsere simple Bestellung aufzunehmen. Als es dann in der Reihenfolge der Gerichte einen weiteren Fehler gibt, bleibt dann nur mehr die Resignation als ein Kellner nach unserer Reklamation auf einen Bestellzettel mit ausschließlich chinesischen Schriftzeichen verweist!
Die Hauptattraktionen rund um
Kunming sind neben den Western Hills mit ihren unzähligen Höhlen die
Honghe Reisterrassen, die zwar nicht so steil wie die besuchten in
Longsheng sind, aber viel ausgedehnter, wobei gleich ganze Hügelketten von Paddies überzogen sind. Wir aber machen uns in den
Steinwald auf, eine Formation von Millionen Jahre alten Karstgebilden aus dem Perm, die aus der Entfernung wie unzählige versteinerte Bäume aussehen. Da Samstag ist, sind auch viele Einheimische im Stone Forest unterwegs, die sich Kostüme der regionalen Stämme ausborgen und damit vor den attraktivsten Karstformationen ablichten lassen. Folkloregruppen in prächtigen Kostümen tanzen zur Musikbegleitung mit ungewohnten Instrumenten. Als ich nach unserer Runde durch den Steinwald ein Bedürfnis verspürte, führte mich Jing, unser weiblicher Guide zum WC, das neben einer Vielzahl der üblichen Hockabtritte auch zwei westliche „Töpfe“ zum Draufsitzen hatte, wie üblich natürlich ohne Papier und ohne Seife an den Waschtischen, die denken sich wohl, wenn schon die Langnasen unbedingt sitzen müssen, dann sollen sie auch selbst für die benötigten Reinigungsmittel sorgen....


Zurück in
Kunming erwartet uns zur Mittagszeit ein ordentlicher Stau, unser Fahrer muss spezielle Umwege wählen, um uns zu einem der wenigen erhaltenen alten Gebäude im Zentrum zu bringen, dem über 300 Jahre alten
Yuantong Tempel - das stufenförmig angelegte Heiligtum um einen kleinen See dient der Verehrung gleich mehrerer Buddhavarianten, besteht aus prachtvollen Bauten, die mit farbenprächtigen Holzschnitzereien und Statuen ausgestattet sind, die Dachfirste sind mit allerlei kleinen Kriegern bestückt, die wohl Unheil abhalten sollen, wir sehen auch erstmals riesige Drachen, die als Machtsymbol des Herrschers neben die Buddhas platziert wurden. Die Gläubigen pilgern von einem Tempel zum nächsten, vollführen mit ihren Räucherstäbchen auf den Betschemeln jeweils drei tiefe Verneigungen und geben eine Spende in die dafür vorgesehene Box.
Anschließend kehren wir in noch immer dichten Verkehr in unser Hotel am grünen See zurück und beobachten bei der Anfahrt tausende fröhliche Einheimische, die den freien Tag mit einer Bootsfahrt auf dem See, einem Picknick im Park oder einem Spaziergang mit der Familie nützen.
Am Abend stürzen wir uns nochmal ins Abenteuer Essen in China, das so genannte Western Style Restaurant, wo wir auch schon das Frühstücksbuffet vorgefunden haben, hat thailändischen Hot Pot annonciert, das relativ günstige Angebot von Yüan 330 für 2 Personen inklusive Thai-Bier reizt uns schon mal als Abwechslung nach den unguten jüngsten Erfahrungen mit der sauteuren japanischen Küche, wo wir für vier Tunstückchen, eine rohe, rote Garnele und zwei Tempurashrimpsteller fast 900 Yüan (€ 130) zahlen mussten - das Ganze noch ohne teuren Sake oder sonstige Alkoholika!
Aus dem Hotpot ist dann doch was anderes geworden, als der Rezeptionist endlich klären konnte, was da inkludiert war: ein Süppchen, ein Sushi, eine Obst(!)pizza und das Bier.....schließlich einigten wir uns auf eine scharfe Tom Ka Gai, Seafoodpenne und Riesengarnelen im Cajun Style, dazu schmeckte ein Chilene aus dem Valle Central, die Kosten blieben trotz des Weins weit unter dem japanischen Mahl.
Bevor wir mit dem Flieger der „Lucky Air“ nach
Hangzhou aufbrechen besuchen wir noch die Western Hills, eine beliebte Ausflugsgegend am Rande des Riesensees
Dianchi, der die Stadt im Westen und Süden einschließt. Man fährt zuerst einige Serpentinen bergan, passiert das
Dragon´s Gate, das bei den abergläubischen Einheimischen besonders gern vor schweren Prüfungen und schicksalshaften Lebensentscheidungen aufgesucht wird, bevor man in einen 3 Kilometer langen Sessellift umsteigt, der einen zu den im 18. Jahrhundert von taoistischen Mönchen aus der Steilwand gehauten Treppen, Grotten und Tempel bringt. Die Aussicht auf die Skyline von
Kunming und den 313 km² großen See ist überwältigend. Nach dem Abstieg über hunderte Stufen wartet schließlich ein Elektrofahrzeug, dass einen zur Busendstelle bringt, bei der Abfahrt zum Flughafen sehen wir noch die Riesenbaustelle des zukünftigen Endbahnhofes der Ost-West Metrolinie.