Wenn das Meer den Strand verschlingt

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Oliva B.
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Wenn das Meer den Strand verschlingt

Beitrag von Oliva B. »

Immer wieder erlebt man, dass beliebte Strände schmaler geworden sind oder samt Häusern verschwinden, wenn sie von den Gemeinden nicht aufgeschüttet werden.
Wie konnte es so weit kommen?
Xàbia/Jávea
Xàbia/Jávea
Fehlerhafte Küstenarchitektur- Man baute die Häuser so, als seien Strände stabil und dauerhaft. In Wirklichkeit sind sie bewegliche Übergangszonen.
Benissa-Costa
Benissa-Costa
Das Meer „greift nicht an“, es kehrt zurück. - Küstenerosion ist kein plötzliches Ereignis, sondern ein schleichender, vorhersehbarer Prozess.
Dünen und Sedimentflüsse wurden zerstört Urbanisierung, Promenaden, Häfen und Dämme haben die natürlichen Schutzsysteme beseitigt.
Notmaßnahmen ersetzen keine Strategie - Sandaufspülungen, Mauern und Wellenbrecher sind teuer, temporär und verschieben das Problem.
Ausnahmezustand wird Normalität -Wiederkehrende Stürme machen deutlich, dass Erosion ein Dauerzustand ist.
Rückzug wird unausweichlich - In vielen Fällen ist Schutz wirtschaftlich oder technisch nicht mehr sinnvoll.
Ökonomische und soziale Folgen - Tourismus, Immobilienwerte und kommunale Finanzen geraten unter Druck.

Globale Dimension - Das Problem betrifft alle Breitengrade – von Spanien über Schottland bis New York.
Quelle: Ein interessanter Artikel mit dem Titel: Matalascañas (Huelva) - Beispiel für einen großen architektonischen Fehler:
Zu glauben, dass der Strand deiner Kindheit so bleiben würde, wie du ihn in Erinnerung hast.

In Wirklichkeit sucht das Meer nicht plötzlich und ohne Vorwarnung die Küsten heim, sondern fordert lediglich seinen Platz zurück.
Altea: Strandabschnitt
Altea: Strandabschnitt
Auch in unserer Autonomen Regionen Valencia gibt es Parallelen, hier ein paar Beispiele:

L’Albufera & Südstrand von Valencia (El Saler)
Jahrzehntelanger Sandverlust durch Hafenbauten im Hafen von Valencia.
Ständige künstliche Strandaufspülungen, die nach wenigen Stürmen wieder verschwinden.
Die Dünen, einst natürlicher Schutz, wurden größtenteils abgetragen oder fragmentiert.

Cullera
Starke Bebauung nahe der Küstenlinie.
Wiederholte Schäden an Promenaden nach Stürmen.
Schutzbauten verändern die Strömungen und verschärfen die Erosion benachbarter Strände.

Gandía
Nördliche Strände verlieren Sand, während südliche Zonen profitieren – Sedimentungleichgewicht.
Hafeninfrastruktur blockiert natürliche Sandwanderung.
Abhängigkeit vom Badetourismus macht Rückzug politisch heikel. - Wirtschaftliche Abhängigkeit verhindert langfristige Entscheidungen.

Dénia & Les Marines
Bebauung auf ehemaligen Dünen.
Wiederkehrende Überflutungen bei Stürmen.
Einige Wohngebiete sind heute nur noch mit permanenten Notmaßnahmen bewohnbar. Immobilien werden zu unverkäuflichen Vermögenswerten.

Benidorm (Playa de Poniente)
Extrem urbanisierte Küste.
Massive technische Eingriffe notwendig, um den Strand überhaupt zu erhalten.
Funktioniert bislang – aber nur mit hohem finanziellem und ökologischem Aufwand. - Kurzfristig erfolgreich, langfristig fragil.
La Vila/Villajoyosa
La Vila/Villajoyosa
Weitere Beispiele:
Küstenschutz in Dénia: Luxusanlage wird gebaut, Strandhäusern droht Abriss - Quelle CBN vom 28.03.2025

Spanien-Urlaub: Beliebter Strand an der Costa Blanca droht zu verschwinden, Zitat: "So verschwinden etwa Landmassen wegen des steigenden Meeresspiegels. Ein Beispiel sind Strände, die nach und nach geflutet werden. Das ist bei der Playa del Cura in Torrevieja an der Costa Blanca in Spanien aktuell der Fall."

Ist Sand aufzuschütten oder es kostspielig aus dem Meer zurück zu saugen, die einzige Alternative?

Sand aufzuschütten ist nur scheinbar eine Lösung, denn auch der Sandabbau hat gravierende Folgen, nicht nur für die Natur:
U.a. Trübung des Wassers, Absenkung von Flüssen, Trockenfallen von Nebenflüssen.
Die Ökosysteme der Sandgruben, aber auch von Flüssen und der flachen Meeresgebiete sind besonders vom Sandabbau betroffen.
Sandvorspülung an Küsten ist eine Strategie des nachhaltigen Küstenschutzes und billiger als der Deichbau.

sondern auch wirtschaftlich:
Weltweit fließt viel Geld in Aufschüttungskuren
Ob Sylt, Miami, Sydney oder die Malediven, ob dem Strand seine Bedeutung als Touristenattraktion oder als Schutzwall vor dem Anstieg des Meeresspiegels beigemessen wird: Überall gibt es die Verlockung, verlorene Strände einfach wieder aufzufüllen.
Mehr dazu unter Natürliche Ressourcen unter Druck - Folgen des Sandabbaus Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI).
Aber auch andere Artikel wie Düstere Prognose: Spaniens Küsten und Strände sterben vom 13.08.2024 lassen aufhorchen.

Spanien-Urlaub: Beliebter Strand an der Costa Blanca droht zu verschwinden, Zitat: "So verschwinden etwa Landmassen wegen des steigenden Meeresspiegels. Ein Beispiel sind Strände, die nach und nach geflutet werden. Das ist bei der Playa del Cura in Torrevieja an der Costa Blanca in Spanien aktuell der Fall."
El Debate hat geschrieben: am 1.2.2026, Zitate:

Die UNO kritisiert die Regierung von Sánchez für die Anwendung eines der strengsten Küstengesetze gegen die Bürger
Eine internationale Studie stuft das spanische Modell als eines der restriktivsten ein, während Fälle wie die Häuser am Strand von Babilonia den Konflikt zwischen öffentlichem Eigentum und erworbenen Rechten veranschaulichen

Die hundertjährigen Häuser am Strand von Babilonia in Guardamar del Segura, die trotz ihrer seit Generationen bestehenden Bewohnung vom Abriss bedroht sind, sind zum sichtbarsten Symbol eines Problems geworden, das bereits über den lokalen Bereich hinausgeht. Eine von den Vereinten Nationen vorgestellte Studie stuft Spanien unter den aufeinanderfolgenden Regierungen von Pedro Sánchez als eines der Länder mit den strengsten Küstengesetzen gegenüber den Bürgern ein, aufgrund ihrer Auswirkungen auf das Eigentumsrecht und der schwachen Garantien für die Betroffenen.

Zehntausende Wohnungen in Gefahr
Das Problem ist landesweit verbreitet. Eine Analyse von Newtral beziffert die Zahl der Wohnungen an der Küste, die durch die Anwendung des Küstengesetzes gefährdet sind, auf 86.426, verteilt auf mehr als 11.000 Wohngebäude innerhalb oder an der Grenze des öffentlichen Küstenstreifens. Fast 89 % davon wurden vor 1988 gebaut, als es noch unbefristete Konzessionen gab, oder waren von späteren Änderungen der Demarkationslinie betroffen.
„Von der Regierung im Stich gelassen“: Das Meer verschlingt Gebäude aus den 1970er Jahren an der Küste Valencias
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chris
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Re: Wenn das Meer den Strand verschlingt

Beitrag von chris »

Oliva B. hat geschrieben: Di 3. Feb 2026, 15:38 Weitere Beispiele:
Küstenschutz in Dénia: Luxusanlage wird gebaut, Strandhäusern droht Abriss - Quelle CBN vom 28.03.2025
Und genau dieses Thema hat mich schon vor 25 Jahren in Rage gebracht. Alte Häuser und Fischerbaracken mussten weg, damit die zweite Linie zur ersten Linie wurde und man die dort neu aus dem Boden gestampften Apartmentblocks perfekt als erste Strandlinie vermarkten konnte.

Der Küstenschutz wurde prinzipiell ab Stunde null für so etwas missbraucht und es ist ebenso albern, dass ich für das Erneuern eines Fußbodenbelags in einem Apartment am Levante-Strand in Benidorm, irgendwo im zehnten Stock in einem völlig legalen Gebäude, eine Erlaubnis von Costas benötige.

Auch wenn sich vielleicht irgendwer irgendwo gute Gedanke gemacht hat, so ist die Umsetzung doch in vielerlei Hinsicht absurd bis korrupt, und die Projekte, die der Küstenschutz eigentlich verhindern sollte, werden trotzdem gebaut.
Saludos,
Chris
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Oliva B.
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Re: Wenn das Meer den Strand verschlingt

Beitrag von Oliva B. »

Hallo Chris, der eingangs erwähnte Fall Matalascañas ist äußerst interessant, vor allem wegen seiner unbequemen, aber klaren Botschaft:
Manche Gemeinden werden sich ins Landesinnere zurückziehen müssen . Der Meeresspiegel steigt nicht nur, er trägt auch Strände ab und erhöht den Brechpunkt der Wellen, wodurch die Wucht jedes Sturms verstärkt und viele traditionelle Schutzmaßnahmen wirkungslos werden.
Bild
Karte der Erde mit einem Meeresspiegelanstieg von sechs Metern (rot dargestellt).

Deshalb:
Anpassung statt Flucht. Natürlich werden verschiedenste Lösungsansätze erwogen. Vor einigen Monaten erinnerte der Guardian an den Fall der kolumbianischen Pazifikküste, wo Gemeinden wie Juanchaco der Erosion mit einem anderen Ansatz begegnen. Ohne große Infrastrukturprojekte oder die Mittel für einen vollständigen Rückzug setzen sie auf Binnenumsiedlung , gemeinschaftsbasierten Tourismus und schrittweise Anpassung.

Das Meer spült Straßen und Häuser fort, doch die Gemeinschaft reagiert, indem sie einige Meter landeinwärts zieht, ihre Wirtschaft neu erfindet und ihre kulturelle Identität bewahrt. Es ist eine Form des Widerstands, die den materiellen Verlust akzeptiert, ohne das Land aufzugeben. Eine Lösung, die an manchen Orten unmöglich erscheint.
Ich wiederhole noch einmal die QUELLE.
Claus
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Re: Wenn das Meer den Strand verschlingt

Beitrag von Claus »

Erlaubt mir als Neuling eine Frage : " ist es dann künftig besser , eine Haus-oder eine Wohnung im Hinterland zu suchen ?

Ich denke hier an 30 - 40 Meter üNN ( so ungefähr 10 Km vom Strand entfernt )

Merci ,

Liebe Grüsse

Rosi & Claus
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Re: Wenn das Meer den Strand verschlingt

Beitrag von Busbauer »

Die Höhe kannst du aber auch schon direkt hinterm Strand haben - da musst nicht 10 km weit fahren
Grüße Stefan
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Re: Wenn das Meer den Strand verschlingt

Beitrag von Atze »

Wir wohnen 20 m über dem Meer.
Aber trotzdem nur 150 m zum Strand.
LG Atze
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Oliva B.
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Re: Wenn das Meer den Strand verschlingt

Beitrag von Oliva B. »

Claus hat geschrieben: Do 5. Feb 2026, 17:42 Erlaubt mir als Neuling eine Frage : " ist es dann künftig besser , eine Haus-oder eine Wohnung im Hinterland zu suchen ?
Ich denke hier an 30 - 40 Meter üNN ( so ungefähr 10 Km vom Strand entfernt ) [...]
@ Rosi & Claus

Die Idee zu diesem Thema kam mir beim Lesen des Artikels: Matalascañas ist ein Beispiel für einen gravierenden architektonischen Fehler: die Annahme, dass der Strand der Kindheit noch so aussehen würde, wie man ihn in Erinnerung hat.

Dieser Artikel (man kann ihn sich mit deepl.com oder dem google-Translater leicht ins Spanische übersetzen lassen) beinhaltet viele interessante weiterführende Links, da findet ihr sicher eine Antwort.
Matalascañas liegt nicht an der spanischen Mittelmeerküste, sondern ist ein spanischer Ferienort in Andalusien an der Atlantikküste der Provinz Huelva (Gemeindegebiet von Almonte).
Hier findet man Fotos vom 7. Januar 2026, wo man die Ausmaße der Zerstörung von der Strandpromenade sehen kann.

Aber die PROBLEME gibt es hier wie dort, und die Bilder ähneln sich.
Spaniens Strände schrumpfen: Die ersten könnten schon bald verschwunden sein
Stand: 31.07.2024

Beispiele Costa Blanca:

Zerstörung der Bucht von Moraig (BENITACHEL) durch das Sturmtief Gloria im Januar 2020.

Auch hier immer wieder Bilder der Zerstörung des Strandes in DENIA Las Marinas in Denia
oder
Küstenschutz in Dénia: Luxusanlage wird gebaut, Strandhäusern droht Abriss
oder
am 28.12.2025: Weitere Sturmschäden in Les Marines de Dénia: Zerstörungen an den Stränden und blockierte Bäche
oder
diese Meldung aus März 2025: Die Küstenbehörde gibt ihre Pläne zur Wiederherstellung des verschwundenen Strandes von Dénia auf, nachdem das regionale Ministerium gewarnt hatte, dass die Arbeiten das Posidonia-Seegras schädigen würden.

Ein weiteres krasses Beispiel sind die Dünen von GUARDAMAR, im Süden unserer Provinz: „Einzigartige“ Playa Babilonia: im Tempo des Vergessens
Zitat CBN: "Nun schlagen die Wellen die noch rund 80 Häuser kaputt, die die heutigen Bewohner nicht reparieren dürfen – um nicht gegen die Konzessionen zu verstoßen, auf deren Verlängerung sie seit 2018 vergeblich warten."
Geschichte:
Nach einem schweren Erdbeben im Jahr 1829 musste Guardamar del Segura neu aufgebaut werden. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts trat dabei ein weiteres ernstes Problem auf: Die Sanddünen breiteten sich immer stärker aus und bedrohten Häuser sowie landwirtschaftliche Flächen. Um diese Entwicklung aufzuhalten, wurde ein Aufforstungsprojekt ins Leben gerufen, das die Dünen festigen sollte. Die Arbeiten fanden vor allem zwischen 1900 und 1930 statt und standen unter der Leitung des Ingenieurs Mira, der im Auftrag von König Alfons XIII. handelte. Auch viele Einwohner der Stadt beteiligten sich aktiv an diesem Vorhaben.
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Josefine
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Re: Wenn das Meer den Strand verschlingt

Beitrag von Josefine »

Oliva B. hat geschrieben: Fr 6. Feb 2026, 10:05

Die Idee zu diesem Thema kam mir beim Lesen des Artikels: Matalascañas ist ein Beispiel für einen gravierenden architektonischen Fehler: die Annahme, dass der Strand der Kindheit noch so aussehen würde, wie man ihn in Erinnerung hat.
Ich habe mir gerade Deinen Link über Matalascañas angesehen. Das sieht ja trostlos aus. :-o
Wir haben dort 1999 Urlaub gemacht. Es war die Zeit, als wir in unseren Urlauben Spaniens Küsten auf dem Festland erkundet haben.
Es war ein breiter Traumstrand. Schon krass, was das Wetter so anrichtet. :((

Als Wohnsitz im Rentenalter hatten wir diese Gegend jedoch für uns ausgeschlossen. Aber für einen Badeurlaub war es dort 1999 traumhaft.
Gruß Josefine :)
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